Düsseldorf Vorgestellt

Die Bewerbungs-Ghostwriter

Ein Düsseldorfer Startup bietet Kunden an, für sie Bewerbungen zu schreiben.

Es gibt für alles einen Dienstleister: Chauffeure, Reinigungskräfte, Gärtner, Köche, die Liste ließe sich fortführen. Wer einen Dienstleister sucht, kann eine Stelle ausschreiben – genau wie es der Arbeitgeber macht, der einen neuen Mitarbeiter sucht. Die besten Bewerber werden eingeladen, eingestellt. Soweit, so bekannt. Nur was ist, wenn auch die Bewerbung eines Mitarbeiters von einem Dienstleister kommt?

Das Prinzip von „Richtiggutbewerben.de“ ist ganz einfach: Der Kunde lädt seine Unterlagen hoch und erhält nach vier Tagen seine Bewerbung samt Lebenslauf – auf Wunsch auch in Englisch, Spanisch oder Französisch. 194 Euro kosten Bewerbung und Lebenslauf in einer Fremdsprache, Pakete auf Deutsch sind günstiger.

Die meisten Kunden sind Akademiker

Vor anderthalb Jahren wurde das Düsseldorfer Startup von Bilal Zafar und seinem Bruder gegründet. Zafar hat Betriebswirtschaft in Düsseldorf studiert und parallel ein halbes Jahr lang in der Niederlassung von Google im irischen Dublin das Studentenprogramm durchlaufen. „Da habe ich gesehen, wie Bewerbungsprozesse in großen Unternehmen funktionieren“, sagt er. Und als er nach seiner Rückkehr erlebte, wie auch viele seiner Freunde anfingen, haufenweise Bewerbungen zu schreiben, kam ihm die Idee mit dem Startup.

Studenten, die man ursprünglich mal als Zielgruppe im Blick hatte, griffen allerdings deutlich seltener auf das Angebot zurück als erwartet – womöglich auch wegen der Kosten. Zu den wichtigsten Abnehmern zählen stattdessen inzwischen Akademiker mit Berufserfahrung und dem nötigen Einkommen. „Ärzte haben keine Zeit und Ingenieure schreiben nicht gerne – daher haben wir gerade in diesen Berufsgruppen viele Kunden“, sagt Zafar. Man habe sogar schon Bewerbungen für Leute geschrieben, die sich als Astronaut bewerben wollten. 300 Bewerbungen erstelle das Startup inzwischen pro Monat, geschrieben werden sie von Freiberuflern, die man über die Karrierenetzwerke Xing oder LinkedIn gefunden habe.

Bilal Zafar ging es vor allem um das eigene Unternehmen

Knapp 20 Leute arbeiten inzwischen für das Düsseldorfer Startup. Mit ihrer Idee sind Zafar und seine Kollegen jedoch nicht alleine unterwegs: In Bochum wurde bereits 2011 das Unternehmen „Die Bewerbungsschreiber.de“ gegründet, hinzu kommen andere Anbieter wie „bewerbung-schreiber.com“, „deinebewerbung.de“ und andere. Sie alle bieten ähnliche Angebote, alle werben mit ähnlichen Botschaften.
Man habe sich die Wettbewerber angeschaut, sagt Zafar: „Aber die waren nicht wirklich innovativ.“ Bei ihnen seien die Prozesse „komplett digital“, „skalierbar“ – es ist das typische Vokabular aus dem Gründer-Baukasten, das auch der Düsseldorfer benutzt.

Und noch etwas anderes ist typisch: Der Pragmatismus. Genau wie vielen anderen Gründern ging es auch Zafar weniger um das Produkt, das er verkauft, sondern mehr um das Gefühl einer Gründung als solches. „Ich wollte kein Angestellter in einem Unternehmen sein“, sagt er. Man verkaufe jetzt zwar Bewerbungen, sagt er: „Theoretisch hätten es aber auch Schuhe sein können.“ Immerhin: Richtiggutbewerben.de schreibt bereits schwarze Zahlen.

Dass eine Bewerbung weniger aussagekräftig sei, wenn man sie nicht selbst geschrieben hat, findet Zafar nicht: „Bewerbungen schreiben zu lassen zeigt ja, dass man delegieren kann.“ In der Regel würden Kunden ihre Dienste ja nicht in Anspruch nehmen, weil sie schlecht qualifiziert seien – sondern zu viel zu tun haben. Trotzdem sei Diskretion natürlich extrem wichtig. Doch auch das könnte sich ändern, glaubt Zafar. „Es gibt 40 Millionen Erwerbstätige in Deutschland“, sagt er: „Je mehr das Angebot nutzen, um so selbstverständlicher wird es.“

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