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„Scheitern heißt: Fehler machen. Diese muss man beheben.“

Scheitern und Neustart sind möglich, das ist in der Öffentlichkeit und bei Unternehmern angekommen. Dafür haben auch neue Gesetze gesorgt.

Scheitern oder Chance – oder beides? Das Thema ist sehr vielschichtig, wie sich beim dritten RP-Wirtschaftsforum „Insolvenz und Sanierung“ zeigte. Peter Mazzotti (d’Avoine Teubler Neu) verweist auf das 1999 eingeführte Verbraucherinsolvenzverfahren. „Es hat ins Massenbewusstsein getragen, dass Scheitern und Neustart möglich sind.“ Das habe die Akzeptanz verbessert. Auch von Seiten junger Unternehmen wirkt ein Bewusstseinswandel. „Im Silicon Valley scheitern neun von zehn Start-ups“, sagt Dr. Paul Fink (FRH Fink Rinckens Heerma). Dem Scheitern gehe ein unternehmerischer Versuch voraus, „das verdient Respekt“.

„Viele junge Unternehmer suchen ihre Chance im Start-up“, stellt auch Horst Piepenburg (Piepenburg-Gerling) fest. Dafür gebe es heute risikoärmere Finanzierungswege, zum Beispiel Crowdfunding. „Da ist viel im Gange“, sagt Piepenburg, der auch auf Konzerne verweist, die selbst Start-ups laufen lassen. „Dort gilt das Scheitern als unproblematisch.“

„Viele der Startups kommen nun aber in der Realität an“, fügt Dr. Guido Krüger (Beiten Burkhardt) hinzu. Beispiele aus der Windkraft oder dem Beteiligungsunternehmen Rocket Internet würden zeigen, dass vieles nicht so einfach sei. „Die Startup-Szene ist aber eine andere Kategorie als die klassische Unternehmenswelt“, räumt Krüger ein.

Auch durch das ESUG habe sich bereits viel getan, meint Fink (FRH), und Frank Pollmächer, Richter am Amtsgericht Düsseldorf, bestätigt: „Das ESUG hat es erleichtert, frühzeitiger zum Insolvenzgericht zu gehen.“ Gesellschafter nutzen nach seiner Beobachtung Insolvenzplanverfahren zum Erhalt des Unternehmens. „In Düsseldorf sind im Verlauf der meisten dieser Verfahren die Unternehmen am Markt geblieben.“

Georg Kreplin (Kreplin & Partner) sieht allerdings die Pläne der Europäischen Union für ein vorinsolvenzliches Sanierungsverfahren kritisch. Es gebe ja bereits das ESUG. „Dieses Instrument sollte man jetzt nicht verwässern. Es muss sich erst einmal etablieren, und wir müssen Erfahrungen damit sammeln.“ „Wir brauchen das vorinsolvenzliche Sanierungsverfahren nicht für den Mittelstand“, meint auch Dr. Dirk Andres (AndresPartner). Es müsse aber im Blick bleiben, da einige Verfahren nach Großbritannien abwandern. Andres sieht indes die Gefahr, dass bei dem Verfahren Profis andere Beteiligte unter den Beschäftigten und Gläubigern übervorteilen. „Es wäre daher gut, wenn auch während des Verfahrens ein Gericht draufschaut.“

„Scheitern heißt: Fehler machen – diese muss man beheben“, fasst Dr. Uwe Goetker (McDermott Will & Emery) die Vielschichtigkeit des Themas zusammen. Wichtig sei eine Vorverlagerung: „Je früher ein Unternehmen handelt, desto mehr Möglichkeiten hat es.“ Im Interesse der Werterhaltung sei dies der gebotene Ansatz, „Das ESUG hat hier viel gebracht“.

Ein Spezialthema im Insolvenzrecht ist die Anfechtung von Zahlungen an Gläubiger – ein heißes Eisen in der Branche und im Kreise Betroffener. Diskutiert wird eine Verkürzung der Anfechtungsfrist von zehn auf vier Jahre. Dies könne in einigen Fällen problematisch sein, erklärt Friedrich Knoop (Friedrich Knoop Rechtsanwalt). So gebe es familiäre Konstruktionen, in denen Immobilien übertragen wurden. „Da greift oft schon die Zehnjahres-Frist zu kurz.“ Und dass Anfechtungsmöglichkeiten zulasten des Fiskus beschränkt werden, „das wird sicher nicht kommen“, sagt Knoop.

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