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Existenzgründer nutzen alte Schweißerei in Neuss

Wer eine innovative Geschäftsidee hat, muss nicht nach Berlin ziehen. Auch in Neuss gibt es eine kreative Start-Up-Szene und Coworking-Räume. Die Gründer wünschen sich jedoch mehr Unterstützung durch die Stadt. Coworking ist das Stichwort. Dort können digitale Arbeiter sich spontan einmieten, den Laptop aufklappen und loslegen.

In Düsseldorf gibt es inzwischen rund 20 Anbieter, in Berlin gehören sie mittlerweile zur hippen Grundvoraussetzung sich gentrifizierender Stadtteile. Doch auch in Neuss werden Start-Ups fündig. An der Hochstadener Straße liegt zum Beispiel das Office Center Hoisten (OCHoisten). Bei dem unscheinbaren weißen Bürogebäude in Hoisten würde man von der Straße aus kaum erahnen, dass sich dort Selbstständige tummeln. 20 Unternehmen mit 40 Mitarbeitern sind dort derzeit aktiv. Ab 179 Euro können Gründer sich einen Arbeitsplatz mieten.

Gründer brauchen ein kreatives Umfeld

Ins Leben gerufen hat das Angebot der Neusser Guido Röhrig. Der studierte Elektrotechniker hat sich im Jahr 2010 seinen Traum von der Selbstständigkeit erfüllt, nachdem er seiner Tätigkeit in einem großen Telefonkonzern überdrüssig war. Und er hat dabei ein Problem entdeckt: „Wer sich selbstständig machen will, hat es schwer, günstigen Büroraum zu finden“, sagt der 51-Jährige. Häufig gebe es nur große Büroflächen, die auf Dauer gemietet werden müssen. Gerade Gründer brauchen aber meist ein kleines, günstiges Büro. Und ein kreatives Umfeld.

Deshalb hat er eine alte Schweißerei in Hoisten gekauft und umgebaut. Kurzfristig können Start-Ups dort ein Büro, einen kreativen Arbeitsplatz, oder auch ein Foto-Studio und ein Textil-Atelier mieten. Den Großformat-Drucker und das schnelle Internet nutzen alle Mieter gemeinsam. Bei Gründerfrühstück, Workshops, Kamingespräch oder lockeren Gesprächen in der Chill-Out-Area helfen sich die Gründer gegenseitig, Probleme zu meistern.

Neuss benötigt noch mehr Förderung

Völlig unterschiedliche Geschäftsmodelle treffen in den Hoistener Coworking-Räumen aufeinander: Industrie-Design, 3D-Scanning, Lift-Technik, Feuerschutz, Webdesign, Weinhandel, ein Gutachter, eine Fotografin und Wimpernverlängerung. Einer der Mieter ist Detlef Waltemathe. Er ist Unternehmensberater und arbeitet gerade an seinem E-Bike-Verleih E-smartmoving. Der Düsseldorfer blickt kritisch auf den Zustand der Neusser Start-Up-Szene: „In Düsseldorf wird das ja mega gefördert. Da wird gesehen, wie wichtig die Gründerszene ist“, sagt er. „Es ist schon schade, dass das in Neuss noch nicht passiert.“ 

Dazu passen die Zahlen des Gründungsreports der IHK. Im Jahr 2015 wurden demnach 3269 Firmen im Rhein-Kreis gegründet. Das sind zwar 22 mehr als im Vorjahr. Allerdings gaben auch 3148 Unternehmer ihre Firma wieder auf. Damit liegt Neuss bestenfalls im Durchschnitt. Und das obwohl Gewerbeanmeldungen sich in der Regel in großen Städten konzentrieren, da die größere Bevölkerungsdichte, aber vor allem die Nähe zu den Hochschulstandorten, Gründungen begünstigen.

Vernetzung muss besser werden

Vom derzeitigen Umschwung in der städtischen Wirtschaftsförderung erhofft sich Waltemathe eine Belebung des Themas. Start-Ups müssten einfach mehr auf die Tagesordnung, meint der Unternehmensberater. Er hält eine Kooperation mit der Stadt Düsseldorf für ratsam. Doch er und Guido Röhrig geben sich auch selbstkritisch: „Es gibt auch kein Rahmenwerk für Coworking-Center oder für Neuss Start-Ups“, sagt Röhrig. Die Vernetzung müsse besser werden.

Auf dem Bild: Guido Röhrig in der alten Schweißerei in Neuss. (Quelle: A. Woitschützke)

 

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