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„Gründer brauchen einen Blick auf Fördermittel und rechtliche Fragen“

Die Start-up-Szene hat andere Bedürfnisse als klassische Firmen. Der Neusser Wirtschaftsförderer Frank Wolters erklärt, welchen Bedarf und welche Nachfrage es gibt.

Herr Wolters, das Thema Existenzgründung spielt mit Blick auf die Digitalisierung und junge, kreative Start-up-Unternehmen eine immer größere Bedeutung. Wie kann klassische Wirtschaftsförderung da unterstützend zur Seite stehen?

Frank Wolters Indem wir die erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen. Dazu zählt einerseits umfassende Beratung für Existenzgründer – zum Beispiel mit Blick auf mögliche Fördermittel und Zuschüsse oder bei rechtlichen Fragen. Das fängt beim ganz klassischen „Gründen – wie geht das?“ an. Wir sind da gut aufgestellt, in enger Verknüpfung mit dem Starter-Center NRW, der Gründerregion Niederrhein und durch unsere Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer. Andererseits brauchen Start-ups adäquate Räumlichkeiten. Coworking-Spaces sind ein zentrales Thema. Seit 2005 haben wir uns um die Entwicklung der Existenzgründungen beziehungsweise Start-ups in Neuss gekümmert. Damals gab es keine Gründerzentren oder Coworking-Spaces in Neuss. Heute gibt es ein halbes Dutzend.

Zuletzt äußerten Gründer Kritik, Neuss müsse mehr für die Start-up-Szene bieten, solle enger mit Düsseldorf kooperieren und sich ein Beispiel an der Landeshauptstadt und an der Stadt Köln nehmen.

Wolters Diese Kooperation gibt es längst. Der Rhein-Kreis ist zum Beispiel Gesellschafter des DW NRW-Hub Düsseldorf/Rheinland, das haben wir aktiv unterstützt und uns schon früh klar dafür ausgesprochen. Mit dem Hub – einem von fünf solchen Zentren in NRW – soll die Vernetzung von Start-ups mit mittelständischen Unternehmen, der Industrie und den Hochschulen vorangetrieben werden. Davon wird Neuss profitieren. Wir haben die digitale Wirtschaft also sehr wohl und sehr zielgerichtet im Blick. Aber natürlich gibt es auch Grenzen.

Welche?

Wolters Es ist schwierig, Neuss mit Düsseldorf oder Köln zu vergleichen. Das hängt nicht nur mit der Größe zusammen, sondern auch mit der Ansiedlung der großen Hochschulen. Da ist natürlich geballtes kreatives Potenzial. Dafür hat Neuss jedoch andere Vorzüge, kurze Wege, eine gute Breitbandversorgung zum Beispiel. Das trifft durchaus auf Resonanz. In Neuss ist die Zahl der Neugründungen zuletzt gestiegen. Die prozentuale Zunahme ist deutlich stärker als im Kammerbezirk oder im Regierungsbezirk insgesamt; damit liegen wir über dem aktuellen Trend in der Gründerszene. Und die Nähe zu Düsseldorf und Köln ist natürlich auch ein Vorteil, von dem die Unternehmen profitieren können.

Welche Angebote bieten sie für Existenzgründer?

Wolters Wir bieten regelmäßig Info-Abende an. Dabei kooperieren wir mit der IHK, den Wirtschaftsjunioren, Steuerberatern, Rechtsanwälten, Geldinstituten und weiteren Akteuren. Dabei geht’s um den langen Weg von einer Idee über den Businessplan bis zum Unternehmen. Zudem gibt es pro Jahr vier Gründerinnentreffen, also Angebote bewusst nur für Frauen.

Was machen Frauen denn anders als Männer?

Wolters Das Institut für Mittelstandsforschung hat geschlechterspezifisches Gründerverhalten untersucht. Die Herangehensweise bei der Gründung, aber auch die Unternehmensführung unterscheiden sich demnach bei Männern und Frauen. Außerdem werden Frauen durchaus anders wahrgenommen. Man kennt das ja aus der Politik: Über das Kleid von Angela Merkel wird gerne mal diskutiert, über den Anzug von Sigmar Gabriel spricht in der Regel niemand. Kleidung, die Farbwahl, Schminke, das Auftreten im Gespräch – da gibt es schon Fragen, mit denen sich Unternehmerinnen beschäftigen. Auch dazu gibt es Seminare, und nicht nur zu steuerlichen oder rechtlichen Fragen.

Und Seminare nur für Männer? Was ist damit?

Wolters Die gibt es nicht. Grundsätzlich ist es so, dass wir Ideen entwickeln und Angebote schaffen. Wenn die Wirtschaft sie für sinnvoll hält, wird zugeschlagen. Dann läuft es, entstehen Netzwerke, Arbeitskreise oder es gibt eben Seminare, Beratung oder Workshops. Bei Angeboten nur für Männer gibt es allerdings keine so große Nachfrage.

Wie sehen Sie die Stadt Neuss grundsätzlich mit Blick auf die Start-up-Szene aufgestellt?

Wolters In der Fußball-Bundesliga würde man sagen: Wir spielen im oberen Mittelfeld. Wir sind gut gerüstet, aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen. Der Bedarf an Coworking-Spaces zum Beispiel wächst weiterhin. Das müssen wir angehen.

 

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