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Kooperation mit Start-ups funktioniert bedingt

Tradition und Innovation – passt das zusammen? Studien haben sich damit befasst und differenzierte Ergebnisse hervorgebracht.

In Zeiten rasanten Wandels sollte es von Vorteil sein, wenn altgestandene Mittelständler mit innovativen Start-ups zusammenarbeiten. Erstere sollten vom Schub neuer Ideen profitieren, letztere von den Erfahrungen bewährter Unternehmen. Wie es tatsächlich darum steht, zeigen aktuelle Untersuchungen. „Kooperieren Mittelständler mit innovativen Gründungen, können beide Seiten davon profitieren“, heißt es in einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn. Und eine Analyse des Beratungsunternehmens Deloitte vom April beantwortet die Frage, ob dies funktioniert, mit einem „klaren ‚Ja…aber'“.

Die Vorteile zeigt das IfM Bonn auf: „Im besten Fall erhalten die Gründungen branchenspezifisches Knowhow sowie Zugang zu Ressourcen und einem großen Netzwerk. Mittelständische Unternehmen können mit Hilfe modernster Technologien und dem Wissen von hochqualifizierten Fachkräften beispielsweise die Digitalisierung ihres eigenen Geschäftsmodells weiterentwickeln und dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern.“

Voraussetzung für eine erfolgreiche Partnerschaft sei jedoch, dass sich sowohl die Vertreter des mittelständischen Unternehmens als auch der innovativen Gründung intensiv mit dem jeweils anderen Partner beschäftigen: „Die potenziellen Kooperationspartner müssen sich auf Augenhöhe und mit der notwendigen Offenheit begegnen. Vor allem mittelständische Unternehmen haben jedoch oftmals Vorbehalte und ein vergleichsweise stark ausgeprägtes Sicherheitsdenken.

Für innovative Gründer besteht die Herausforderung hingegen darin, die komplexeren Entscheidungsmechanismen des mittelständischen Unternehmens zu akzeptieren. Zudem müssen sie den spezifischen Nutzen ihres Vorhabens für den Mittelständler deutlich machen können“, erklärt Prof. Dr. Friederike Welter. Unter ihrer Leitung hatten Wissenschaftler des IfM Bonn und der Universität Siegen Interviews mit Unternehmern, Investoren und Verbandsvertretern geführt.

„Prinzipiell stehen interessierten Kooperationspartnern verschiedene Formen der Zusammenarbeit zur Verfügung – vom formlosen Unterstützungsmodell bis hin zum Investitionsmodell. Die Ausgestaltung und Intensität der Kooperation ist letztlich abhängig von den Zielen, die beide Seiten verfolgen.

Aber auch Aspekte wie die Unternehmerpersönlichkeit, regionale Distanz oder bestimmte Branchenspezifika spielen hierbei eine Rolle“, berichtet die Präsidentin des IfM Bonn, die zugleich einen Lehrstuhl an der Universität Siegen inne hat. Ein Problem stelle zudem noch immer der Weg dar, wie mittelständische Unternehmen und innovative Unternehmen zueinanderfinden, selbst wenn es bereits Netzwerkveranstaltungen und Matching-Formate gibt.

Nach der Deloitte-Studie „Kooperationen zwischen Mittelstand und Start-ups“ beurteilen beide Seiten die bisherigen gemeinsamen Projekte teilweise sehr unterschiedlich und haben oft voneinander abweichende Erwartungen. So versprechen sich mittelständische Unternehmen vor allem frischen Wind in Gestalt von Innovationen und digitalen Geschäftsmodellen von den Newcomern, während diese bei der Umsetzung ihrer Geschäftsidee von der Größe und dem Marktzugang der Etablierten profitieren wollen.

„Da beide Partner unterschiedliche Zielsetzungen mit der Kooperation verknüpfen, fällt die letztliche Bewertung wenig überraschend unterschiedlich aus“, heißt es in einer Mitteilung von Deloitte. Mittelständler zeigen sich hier deutlich zufriedener mit dem Ergebnis als junge Gründer.

„Früher stand vor allem der Mittelstand im Ruf, besonders innovativ zu sein, weil er gegenüber Großkonzernen agiler wirkte. Heute haben ihm die Start-ups zumindest in dieser Hinsicht den Rang abgelaufen. Durch Kooperationen wollen beide Seiten nun von den Stärken des jeweils anderen profitieren. Das läuft in der Praxis aber keineswegs immer konfliktfrei“, erklärt Lutz Meyer, Partner und Leiter Mittelstand bei Deloitte.

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