Startschuss

Warum wir im Rheinland Kawuppdich so lieben

Menschen glauben an so vieles: Kleine Kinder glauben an den Weihnachtsmann. Erwachsene daran, dass Geld glücklich macht. Manche von Ihnen glauben an den Zufall, andere wiederum an das Schicksal oder daran, dass Elvis noch lebt. Doch wie viele von Ihnen glauben heutzutage noch an sich selbst? Rheinländer bringen den Glauben an die eigene Kraft und sich selbst mit einer einfachen Formel auf den Punkt. Sie lautet: Kawuppdich.

Man könnte denken, dass es einem erfolgreichen, jungen Unternehmer im Gegensatz zu anderen ganz leicht fällt an sich selbst zu glauben. Das liegt daran, dass Leute, die mich nicht kennen, wenn sie mich heute sehen, nur die Spitze des Eisbergs erblicken können. Die harte Arbeit, die vielen Rückschläge, die Tränen und die Mühe, welche mich bis zu diesem Punkt begleitet haben, sind alle unterhalb der Oberfläche verborgen.

Tatsächlich habe ich meine erste Erfahrung mit Kawuppdich schon als Kind gemacht. Ich habe früher nämlich sehr stark geschielt und wurde damals – wie Kinder so sind – damit aufgezogen. Damit hatte ich ein Handicap, was mich von anderen unterschied. Eine Eigenschaft, die ein persönlicher Nachteil beim Vergleich mit anderen war.

Ich habe mich früher drei Operationen unterziehen müssen, damit ich einigermaßen normal mein Gegenüber fokussieren konnte und bis heute, kann jemand bei genauem Hinsehen erkennen, dass ich immer noch ein wenig schiele. Früher hat mich diese negative Eigenschaft an mir extrem verunsichert.

Als Kind ist es immer merkwürdig eine Schwäche zu haben, die dich als anders als die anderen klassifiziert. Als junger Erwachsener, der sich gerade selbstständig gemacht hat und potenziellen Kunden seine Marketingstrategien verkaufen will,  hat es mich nervös gemacht, dass mein Schielen auf andere vielleicht irritierend oder abschreckend wirken könnte.

Doch heute habe ich dank der Zauberformel Kawuppdich begriffen, dass es nicht nur im Marketing und im Wettbewerb von großem Vorteil sein kann sich von anderen abzugrenzen und ein Alleinstellungsmerkmal zu besitzen, sondern auch, dass es im Leben dazu gehört nicht perfekt zu sein. Im Gegenteil: Für mich bedeutet wahre Größe: Ein offener Umgang mit dem Wissen, um die eigenen Schwächen. Kawuppdich eben.

Eine starke, kraftvolle Persönlichkeit misst sich nämlich nicht an Erfolgen oder daran, wie viel oder wenig Geld jemand verdient, sondern einzig und allein im Umgang mit dem eigenen selbst. Heute kann ich mit gutem Gewissens sagen: „Hallo, ich bin Felix Thönnessen. Ich schiele, na und? Ich stehe dazu und es ist ein einzigartiger Teil von mir.“

Kawuppdich hilft mir dabei mich auf meine Stärken zu konzentrieren und meine Schwächen zu akzeptieren, denn beides gehört zu mir und macht mich aus.

Vielleicht denken viele von Ihnen, dass es viel leichter ist an sich selbst zu glauben, wenn man vorher schon von Erfolg gekrönt wurde. Doch dem ist nicht so. Auch dazu kann ich eine schöne Geschichte erzählen, von einer Zeit, in der ich Kawuppdich besonders gebraucht habe: Ich habe mich damals (den Dispokredit meines Girokontos nicht mit eingerechnet) ohne einen Cent Rücklagen selbstständig gemacht.

Mit langer harter Arbeit habe ich es dann geschafft mich von einem sehr kleinen Büro in ein etwas weniger kleines Büro hochzuarbeiten. Zwei Monate später hatte ich dann einen Rückschlag, den ich bis heute nicht vergessen werde.

Am Tag meines ersten Urlaubs bekam ich einen Anruf, dass mein Büro aufgebrochen und verwüstet worden sei. Es war ein einziges Desaster, zumal die wichtigsten meiner Daten auf einer Festplatte gespeichert waren, die der Dieb auch an sich genommen hatte.

Gerade in solchen Momenten ist es nicht leicht sich auf die eigene Kraft zu besinnen, wieder aufzustehen und sofort weiterzumachen, weil man etwas Zeit braucht, um sich wieder zu sammeln und um neue Kraft zu tanken.

Doch was wäre die Alternative? Liegen bleiben und die Trümmer betrauern? Niemals. Rückschläge gehören im Leben immer dazu und bedeuten eigentlich nur zwei Dinge: Erstens, es wurde schon etwas erreicht, auf das man stolz sein kann – denn ein Rückschlag gleicht einem Fall und fallen kann man bekanntlich nur von oben.

Und zweitens kann es vielleicht auch ein Hinweis darauf gewesen sein, den eigenen Weg oder die persönliche Haltung zu überdenken, um vielleicht auf eine andere Art und Weise an das Ziel zu gelangen.

Alles in allem sind charakterliche Schwächen und Eigenschaften, die im Vergleich zu anderen nicht so stark bei einem selbst ausgeprägt sind, Fehler und Rückschläge ganz im Sinne von Kawuppdich gute Lehrmeister, die einen dazu beflügeln neues und tieferes Selbstbewusstsein zu generieren und Stärke zu entwickeln, die von innen kommt.

Goethe würde an dieser Stelle vermutlich sagen: Es ist Kawuppdich, was die Welt im Innersten zusammenhält. Denn es ist unsere innere Einstellung, die uns von anderen unterscheidet. Demzufolge wünsche ich Ihnen allen ein herzliches und tatenkräftiges neues Jahr voll von rheinländischem Kawuppdich!

Bleib motiviert!

Felix – felixthoennessen.de

Der Düsseldorfer Felix Thönnessen berät Gründer und coacht auch die Start-ups vor ihrem Auftritt in der Vox-Sendung “Die Höhle der Löwen”. Ihr könnt jeden Montag in unserem Blog von seinem Rat profitieren. In seiner Kolumne “Startschuss — mit Coach Felix in eine neue Gründerwoche” machen wir euch fitter für den Gründeralltag.

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