Düsseldorf Vorgestellt

Vom Klassenraum ins Unternehmen

Am Leibniz-Montessori-Gymnasium in Düsseldorf lernen Neuntklässler in einer eigenen Schülerfirma mit selbst produzierten Produkten hautnah, wie Wirtschaften funktioniert.

Freitagsmorgens tauschen Nele Morgenroth und ihre Mitschüler des Leibniz-Montessori-Gymnasiums ihre Füller gegen Heißklebepistolen. Dann steht für eine Stunde das eigene Unternehmen im Vordergrund, das sie im Wirtschaftskurs gegründet haben. Dabei stellen die Schüler nicht nur ihr zuvor erlerntes Wissen auf die Probe, sondern tragen zum ersten Mal auch Verantwortung.

Obwohl die Schülerfirma „Kiss’n’Cozy“ schon seit vergangenem Sommer existiert, wird erst seit wenigen Wochen produziert. Davor galt es zunächst, Kapital durch den Verkauf von Unternehmensanteilen zu erwirtschaften und die großen und kleinen Fragen der Unternehmensgründung zu beantworten. An erster Stelle musste geklärt werden, welches Produkt überhaupt von den Schülern hergestellt werden soll. Die Wahl fiel auf ein individuelles, mit Filz verziertes Sitzkissen. Eine nicht ganz uneigennützige Idee: „Die Stühle hier sind sehr kalt und unbequem“, erklärt Nele Morgenroth, die die Geschäftsführung des Unternehmens innehat. Eine mitunter schwierige Aufgabe, die sie zusammen mit ihrem Mitschüler Ömer Ögredici bewältigen muss. Die beiden Jugendlichen tragen die Verantwortung dafür, das alles reibungslos läuft. Das hat auch unangenehme Seiten, wenn die Mitschüler mal ermahnt oder gar abgemahnt werden müssen. Denn wie im richtigen Leben gibt es keine Jobgarantie. Wer nicht mithilft, fliegt raus und muss sich dann durch Wirtschaftsbücher pauken. Keine schönen Aussichten.

Die Schüler wurden eingeteilt in verschiedene Abteilungen: Marketing, Produktion, Finanzen und Verwaltung. Jeder soll zum Gelingen des Unternehmens beitragen. Das beinhaltet den Ankauf von Materialien, Buchführung sowie das Betreiben eines eigenen Auftritts bei Instagram zur Werbung.

Das Projekt findet im Rahmen eines bundesweiten Wettbewerbs der Initiative Junior statt, der Schülern praktische Wirtschaftskenntnisse vermitteln will. Dazu werden regelmäßig Berichte geschrieben und eingereicht, wofür Punkte verteilt werden. Im Mai müssen die Schüler im NRW-weiten Finale noch eine Jury aus Wirtschaftsexperten mit ihrem Businessplan und ihren Umsätzen überzeugen.

Betreut wird das Projekt von der Lehrerin Dagmar Schier, die zwar bei Fragen den Schülern mit Rat und Tat zur Seite steht, aber sich ansonsten aus der Unternehmensführung heraushält. „Sie können es auch vor die Wand fahren“, erklärt die Lehrerin. Das sei keine Theorie, sondern in der Vergangenheit in anderen Klassen auch schon passiert, doch die positiven Erfahrungen würden überwiegen. Besonders in Hinblick auf die Persönlichkeitsentwicklung. „Viele Schüler wachsen an den Aufgaben“, sagt Schier.

Die größte Aufgabe für „Kiss’n’Cozy“ ist aktuell die Produktion. Eineinhalb Kissen stellt das Produktionsteam derzeit pro Stunde her. Hohe Umsätze sind da schwierig. Anders sieht es im benachbarten Klassenraum aus, wo mit „Case to Case“ eine zweite Schülerfirma arbeitet. Statt Sitzkissen produzieren sie Federmäppchen. Da dort jeder von der Geschäftsführung bis zur Verwaltung fleißig an den Mäppchen mitnäht und zwei Exemplare pro Stunde produziert, gehen auch die Umsätze in die Höhe. Trotzdem sehen sich die beiden Gruppen nicht im Konkurrenzkampf. „Wir helfen uns gegenseitig“, sagt Nele Morgenroth. Das wird sich jedoch im Mai vermutlich ändern. Denn dann kämpfen beide Schülerfirmen gegeneinander um den Sieg im Landesfinale.

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