Startschuss

Denn du bist der, der es wagt …

Ich habe mir bewusst ein Thema ausgesucht, was mich sehr stark bewegt und ich glaube, es gibt wenige Menschen, die dieses Thema kalt lässt: Freundschaft. Denk mal darüber nach, wie viele Menschen du auf deinem Weg schon als Freunde bezeichnet hast. Wie viele davon noch da sind, wie viele gegangen sind und wie viele du fälschlicherweise hast gehen lassen. 

Kannst du dich noch an deinen ersten Freund erinnern? Der erste richtige Freund, der dich lange begleitet hat. Mit dem du durch dick und dünn gegangen bist. Bestimmt, oder? Was hat dieser Mensch damals für dich bedeutet und wie habt ihr Zeit miteinander verbracht? Ich mag es darüber nachzudenken, weil ich vor allem mich in den Situationen analysiere. Wie entspannt und losgelöst Freundschaften damals waren (ich klinge wie mein Großvater). Nein, mal ehrlich: Man konnte sich täglich auf den anderen verlassen und hatte immer seinen Partner oder die Partnerin an der Seite.

An der Stelle muss ich kurz zwei Dinge einwerfen (hatte ich vergessen): 1. Ich werde dich duzen. Alles andere ist mir zu kompliziert. Wenn dich sonst niemand duzt, dann musst du das ja nicht weitererzählen. Du kannst aber natürlich auch die Anrede hier komplett ändern. 2. Ich finde dieses gendergerechte Schreiben echt verrückt. Ich versuche darauf zu achten, auch mal aus der weiblichen Perspektive zu schreiben. Aber vergiss nicht, ich bin ein ziemlicher Halunke, da muss ich mich schon anstrengen. Dieser Artikel ist für Männer und Frauen. Bei beiden Gruppen gibt es nette, kluge Gestalten und leider auch solche, die gerne woanders wohnen dürfen.

Nachdem wir das aus der Welt geschafft haben, zurück zum Thema Freunde. Ich hatte kurz überlegt, eine Liste mit den wichtigsten Eigenschaften zu erstellen, die ein guter Freund haben sollte. Ich muss sagen, das ist mir zu viel Arbeit (ich bin recht faul manchmal). Nein, mal ehrlich. Jeder von uns teilt andere Eigenschaften mit seinen Freunden oder besser: hat andere Ansprüche an die Menschen, die er Freunde nennt.

Ich bin leider sehr vorsichtig mit dem Begriff. Das liegt nicht unbedingt daran, dass ich enttäuscht wurde oder so, sondern weil mein eigener Anspruch doch sehr hoch ist. Wenn du generell recht anspruchsvoll mit der Menschheit bist, dann bist du das doch bestimmt auch mit deinen Freunden, oder? Aber hier habe ich ein paar Erfahrungen gemacht, die dir vielleicht helfen.

Wie gesagt, bin ich eher von der anspruchsvolleren Sorte und könnte locker eine Liste mit 100 Punkten machen, die mir bei einem Freund wichtig sind. Im Prinzip habe ich Freunde früher auch danach ausgewählt. Wie eine Art Checkliste, die ich in meinem Kopf abhake. Und genau hier habe ich eine ganz besondere Erkenntnis erfahren (klingt, als hätte Gott zu mir gesprochen). Der Anspruch an andere Menschen kann auch zu hoch sein. Nicht, weil andere Menschen zwangsläufig anspruchslos sind, sondern weil ICH die Messlatte für andere Menschen ja so hoch lege und sie zwinge, darüber zu springen. Ob das dann so fair ist? Betrachte das wirklich mal aus dieser Sichtweise. Ich finde, das öffnet die Augen. „Ich bin nun mal so anspruchsvoll, Felix.“ Ja, das mag sein, aber dieses „anspruchsvolle“ hast du dir doch selber definiert. Wenn du keine Bereitschaft hast an deinen eigenen Ansprüchen zu arbeiten, warum sollte der andere Lust haben, sie zu erfüllen? Gerade in einer Freundschaft sind Kompromisse wichtig.

Ich habe Freunde, mit denen kann ich abends gut rausgehen, mit anderen toll über den Job sprechen und wieder andere hören sich all meine Probleme an. Natürlich ist es toll, viele Freunde zu haben, die all diese Ansprüche erfüllen. Aber ich glaube, dann verschenkst du einfach eine Menge Zeit mit Suchen. Ich freue mich, mit einem Freund zum Fußball zu gehen: Zusammen feuern wir die eigene Mannschaft an, die Bratwurst muss dennoch immer ich bezahlen. Sollte ich jetzt nicht mehr mit ihm hingehen? Ich sage es ihm zweimal und bringe ihm beim dritten Mal keine Wurst mehr mit. Wenn er dann immer noch so ist, muss ich mich entscheiden: Ein toller Fußballtag mit 2 Euro Mehrausgaben oder Zuhause bleiben.

Wir haben also Freunde mit besonderen Eigenschaften. Wenn du das so betrachtest, hast du ein eigenes kleines Superteam mit vielen tollen Eigenschaften, die zu dir und deiner jeweiligen Situation passen (ein bisschen „Chaka“ kommt hoffentlich rüber).

Natürlich sollst du nicht für alles Verständnis haben. Das habe ich auch nicht. Es gibt bestimmte Eigenschaften, die ich bei Freunden nie akzeptieren würde. Ich nenne die immer „Totmacher“. Ich weiß, das Wort ist vielleicht ein bisschen hart, aber ich rede nicht von Ansprüchen, sondern von Prinzipien. Und ja: Es gibt viele Menschen, die diese Prinzipien nicht haben und so auch niemals mein Freund sein werden. Aber mein lieber Freund, es gibt so wahnsinnig gute Menschen da draußen. Mach dich auf die Suche, egal ob beim Sport, auf der Straße oder im Job. Halt die Augen offen. So oft sehen wir das, was am nächsten liegt, nicht, bis es vielleicht zu spät ist (das war ja jetzt schon ziemlich rührselig).

Was verbindet dich mit den Menschen, mit denen du dich umgibst und die du vielleicht Freunde nennst? Teilt ihr dieselben Interessen oder gibt es einfach viele Gemeinsamkeiten? Einer meiner besten Freunde ist das komplette Gegenteil von mir. Ying und Yang wäre da schon untertrieben, aber ich würde diese Freundschaft nie missen. Weil er so wie er ist, einfach ein ganz toller Mensch ist. Vielleicht hast du auch solche Freunde.

Ich habe aber auch viele andere Erfahrungen gemacht. Bei denen es mir fast schwer fällt, darüber zu schreiben. Freunde aus der Schulzeit habe ich fast keine mehr. Auch aus dem Studium ist eigentlich keiner geblieben. Und hier möchte ich dir meine zweite Erkenntnis mit auf den Weg geben, auch wenn die sicher hart klingt: „Meistens liegt es an dir.“

Führ dir mal die guten Freundschaften vor Augen, die du heute nicht mehr hast. Die zerbrochen sind. Gründe dafür gibt es viele: Umzug, Entfremdung, ein großer Streit – die Liste könnten wir sicher ewig weiterführen. Ich hätte gerne einige davon rückwirkend gerettet. An manche Freunde denke ich zurück und hoffe, dass es dem Menschen gut geht. Nicht weil ich so ein sympathisches Kerlchen bin, sondern viel mehr, weil ich weiß was der Mensch für mich alles getan hat. Leider hatte ich die Erkenntnis oft viel zu spät und habe mich vielleicht auch nicht mehr getraut, aktiv was zur Rettung beizutragen. Das ist rückwirkend einer meiner größten Fehler gewesen. Menschen, die ein Leben lang an meiner Seite hätten sein sollen, sind nicht mehr da. Vielleicht ist das bei dir auch so oder vielleicht waren immer die anderen Schuld und du hast immer alles dafür getan. Dann lieber Leser bist du entweder Jesus oder hast einen Sockenschuss.

Natürlich sind viele Freunde nicht das ganze Leben an deiner Seite. Oft verändern wir uns so massiv, dass die Freundschaft nicht mehr hinterherkommt. Aber dann mein Freund: Dreh dich um und reiche deinem Freund die Hand und nimm ihn, wenn er es wert ist, mit. Auch wenn du den Weg dann nur halb so schnell gehen kannst. Am Ende erreichst du dein Ziel doch, blickst zur Seite und hast das Beste aus der Vergangenheit gleich mit in die Zukunft gebracht. 2:0 für dich.

Manche Freundschaften kommen plötzlich und andere brauchen Zeit. Grade als Mann kenne ich das gut (ich glaube, den Frauen geht es genauso). Du kommst neu in eine Runde und gefühlt jeder beäugt dich erstmal. Einige Blicke davon sind sicher mehr als gewöhnungsbedürftig. Toller Start würde ich sagen. Aber du kannst letztendlich nur mit deiner besten Waffe antworten: Mit einem ehrlichen Lächeln. Lächeln steckt an und vielleicht lächelt einer der grimmigen Kumpanen ja zurück. Und du hast zumindest einen Gesprächspartner gefunden. Meine Erfahrung ist: Die meisten Menschen sind nur halb so wild, wie es manchmal scheint. Ähnlich der Redensart: „Bellende Hunde beißen nicht.“ Oft steckt hinter der oberflächlichen Fassade doch ein bisschen Empathie oder manchmal eben auch der Teufel – das kann auch vorkommen.

In vielen Gesprächen erzählen mir Freunde, aber auch Business-Kunden, dass sie Schwierigkeiten haben, neue Leute und damit zwangsläufig auch Freunde kennenzulernen. Das kann ich total nachvollziehen. Niemand spricht auf der Straße einen Fremden mit dem Satz: „Hey Kumpane, magst du mein Freund sein?“ an. Ich glaube, das würde ein wenig ungewöhnlich wirken. Wie lernt man dann bitte neue Freunde kennen, Herr Autor? (Ich liebe es, wenn du mir den Ball zuspielst.)

Nachdem es ja gefühlt eine Million Portale gibt, bei denen wir den Partner fürs Leben kennenlernen können, ist das bei Freundschaften ein wenig schwerer. Aber wir wollen ja was bewegen und keine depressiven Verstimmungen hervorrufen. Um neue Leute kennenzulernen verwende ich das einzigartige, nicht patentierte, NKKA System.

N neue
K Kumpanen
K kriegst du mit
A Aktion

Ich bin mir noch ein wenig unsicher, ob ich beim zweiten „K“ so viele Wörter unterbringen darf. Aber sonst wird das einfach zu lang. Ich werde dir selbstverständlich dieses glorreiche System erklären. Nach 100 Therapiesitzungen mit Freunden -männlich und weiblich- habe ich nämlich herausgefunden, dass es vielen Leuten so geht und sie sich ein bisschen einsam fühlen. Wenn es also vielen Menschen so geht und viele Menschen auf der Suche nach Freunden sind, warum gibt es dann überhaupt ein Problem? Nun, wir sind zunehmend alte Meckerfritzen geworden, die leider aber nicht wirklich viel tun, um das auch effektiv zu ändern. Wenn du also mehr, andere oder neue Freunde haben willst, dann musst du zwangsläufig aktiv werden. Das Warten auf das klingelnde Telefon hat noch nie viel gebracht. Du kannst dich zum Yoga Kurs anmelden oder du fängst an Schach zu spielen und triffst dich mit den reifen Jungs im Park. Begib dich dahin, wo viele Menschen sind und versuch ein bisschen offen zu sein. Sprich im schlimmsten Fall jemanden an und verabschiede dich vor allem von der Vorstellung, dass du der Einzige bist, der das macht. Du bist eben der, der es wagt, während die meisten anderen den Mut vielleicht niemals hätten. Das Leid teilen viele, aber nur wenige reiten mit der Lanze voraus in Richtung Horizont. (Na gut, das klingt ein bisschen doppeldeutig.)

Du darfst natürlich auch mit dem anderen Geschlecht befreundet sein. Wenn du jetzt einwirfst, dass es Freundschaft zwischen Männern und Frauen nicht gibt, dann gebe ich dir absolut Recht. Wenn du aber meinst, dass Freundschaften zwischen Männern und Frauen sehr wohl funktionieren können, stimme ich dir absolut zu. (Ich bin eine ziemlich doppelzüngige Schlange.) Nein, mal ehrlich bitte. Meine Meinung: Warum soll das nicht gehen? Weil man sich sofort in jeden verliebt, nur, weil er vom anderen Geschlecht ist? Das halte ich für Unsinn. Aber eine Einschränkung gibt es schon: Wenn ich mit einer Frau lange und gut befreundet bin und merke wie wichtig sie mir ist, dann kann das auch kippen. Kippen zu der Seite, wo ich mehr will als Freundschaft. Aber was ist daran schlecht? Es gibt doch nichts Schöneres als jemanden lange zu kennen, ihm oder ihr zu vertrauen und dann zu merken, dass das mehr als nur Freundschaft ist. Kein Risiko, sondern vielleicht die Chance auf mehr.

Ja, mein Freund, eventuell werden die Gefühle dann nicht erwidert und du tanzt alleine den Frühlingstanz während deine Angebetete sich mit deinem besten Freund vergnügt. Yolo und so, ne.

Was ich dir mit meinem heutigen Artikel sagen mag: Sei offen, lebe famos und sei bereit den ersten Schritt zu machen. Egal, ob privat oder im Business. Wir haben nur die paar Jahre und dein Leben ist eben genau eins: Deins.

Mach es großartig.

Felix – felixthoennessen.de

Der Düsseldorfer Felix Thönnessen berät Gründer und coacht auch die Start-ups vor ihrem Auftritt in der Vox-Sendung “Die Höhle der Löwen”. Ihr könnt jeden Montag in unserem Blog von seinem Rat profitieren. In seiner Kolumne “Startschuss — mit Coach Felix in eine neue Gründerwoche” machen wir euch fitter für den Gründeralltag.

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