Köln Nachrichten

Der Flugsimulator für Chirurgen

Chirurgen am Operationstisch

In einem neuen Trainingszentrum in Köln sollen Unfallchirurgen die Möglichkeit haben, realitätsnah komplizierte Brüche zu operieren – an Amputaten von Körperspendern. Dafür ist „Rimasys“ verantwortlich. Das Start-Up hat das erste chirurgische Trainingszentrum eröffnet.

Bevor ein Pilot einen Airbus mit Passagieren fliegen darf, muss er in vielen Stunden lernen, einen Simulator perfekt zu steuern. In der praktischen Ausbildung von Unfallchirurgen gab es bislang keine Art von „OP-Simulator“. Mediziner üben an künstlichen Knochen und als Studenten an unverletzten Humanpräparaten im Anatomie-Kursus. „Das bereitet einen Arzt aber nur bedingt auf den Operationsalltag vor“, sagt Robert Holz. Der 35 Jahre alte Leverkusener ist einer von drei Geschäftsführern der Firma  „Rimasys“. Fragt man die Jungs, was sie beruflich machen, sagen sie: „Knochen brechen.“

Tatsächlich stellt ihre Firma – und das mag befremdlich klingen – „realitätsnahe Frakturen mit geschlossenem Weichteilmantel“ her. Das heißt: Sie bieten Ärzten die Möglichkeit, an Körperspendern spezielle Operationen zu üben – einen komplizierten Beinbruch etwa. Ziel ist es, bestimmte schwierige Brüche und Verletzungen besser zu verstehen, und Ärzten in der Aus- und Fortbildung realistische Frakturen zeigen zu können. Die Mediziner können an den Körperteilen das üben, was sie später unter größtem Stress und Zeitdruck im Operationssaal können müssen.

„Endlich darf ich als Chirurg fliegen“

Im Gebäude des „Bio Campus Cologne“ im Kölner Westen hat das Start-Up „Rimasys“ am Freitag ein chirurgisches Trainingszentrum eröffnet. „Cadlab Academy“ haben sie das Zentrum genannt, in dem drei Operationssäle mit zehn OP-Tischen stehen. Bis zu 60 Mediziner können hier gleichzeitig trainieren. „Die Chirurgen müssen das jetzt nicht mehr in der Klinik lernen, sondern quasi am Simulator, dem Amputat eines Körperspenders – bevor sie am lebenden Patienten operieren“, sagt Marc Ebinger, ebenfalls Geschäftsführer bei „Rimasys“.

Chefchirurg Matthias Münzberg, Leiter des Bereichs Berufsgenossenschaften der Kliniken Ludwigshafen und Tübingen, sagt: „Endlich darf ich als Chirurg fliegen.“ Er hat ständig mit komplizierten Brüchen zu tun und schon sehr viele Schwerverletzte nach Arbeitsunfällen operiert. „Es gibt so viele unterschiedliche Brüche“, sagt er. „Und es passiert oft, dass ein Facharzt eine Fraktur auf dem OP-Tisch hat, die er erst einmal operiert hat.“ 50 Mal wäre besser, im Alltag kommen manche komplizierten Brüche aber nur selten vor. Münzberg hält viel von der Möglichkeit, dass Ärzte wie Piloten an einem Simulator spezielle Frakturen auch mal dreimal nacheinander üben können, „ohne Alltagsstress und Zeitdruck“, das sei für Anfänger genauso wertvoll wie für Spezialisten.

Miriam Luxenhofer gehört mit 24 Jahren zu den Anfängern. Sie studiert im zehnten Semester Medizin in Heidelberg und operiert am Freitag im Kölner Trainingszentrum zum ersten Mal eine Handgelenkfraktur. „Das ist zwar ein relativ häufiger Bruch, aber als Studenten operieren wir ja eigentlich gar nicht“, sagt sie. Sie fixiert das gebrochene Gelenk mit einer Titanplatte und Schrauben. „Es hat ganz gut geklappt, dafür dass es das erste Mal war“, sagt sie.

Kliniken können die Operationssäle etwa für das Training ihrer OP-Teams buchen. Auch Medizintechnik-Unternehmen gehören zur Zielgruppe. Anmeldungen gibt es wohl schon genug.

 

Foto: Rimasys

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1 Kommentar
  • Emmi 16.Jul 2018 von 11:01

    Das ist mal eine tolle Idee. Bevor die Ärzte an richtige Patienten gehen, sollten sie wirklich üben. Ein Freund möchte sich eine Zweitmeinung der orthopädischen Chirurgie holen, bevor er sich unter das Messer legt. Er hat zwar keinen komplizierten Bruch, dafür aber einige Erfahrungen mit Ärzten.

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