NRW

Grüne wollen Steuererleichterung für Start-up-Gründung

Als die Zeit der rot-grünen Landesregierung nach der Wahl beendet war, hat sich Matthi Bolte-Richter auf die Reise gemacht. Man habe sich damals viele Gedanken gemacht, was man verändern wolle, erzählt der Grünen-Politiker – auch in der eigenen Arbeit. „Wir haben zum Beispiel in der Regierungszeit die Erfahrung gemacht, dass wir zu wenig draußen waren und mit den Leuten gesprochen haben“, sagt er: „Das soll uns nicht nochmal passieren.“

Also ist der digitalpolitische Sprecher der Grünen gereist, hat Mittelständler, Start-ups und Hochschulen besucht, um zu erfahren, was passieren muss, damit NRW Vorreiter bei der Digitalisierung wird. Das Konzept will die Partei in Kürze vorstellen, einiges ist aber schon klar.

So will man sich auf Bundesebene für Änderungen bei der steuerlichen Forschungsförderung einsetzen. Momentan sei es so, dass Unternehmen Forschungsausgaben steuerlich absetzen können, sagt Bolte-Richter: „Start-ups hilft das aber nicht, weil sie anfangs oft keinen Gewinn machen. Unser Vorschlag ist daher, dass Start-ups den Betrag, den sie steuerlich absetzen würden, einfach ausgezahlt bekommen.“

Auch Mittelständler, die mit hausinternen Start-ups experimentieren, sollen entlastet werden. In NRW hat etwa der Anlagenbauer SMS Group ein Start-up gegründet, um innovativer zu werden. „Wer so ein Start-up gründet, um Forschungsleistungen auszugliedern, sollte das steuerlich absetzen können.“

Hochschulen wiederum sollen ein eigenes Gründerbudget zur Verfügung gestellt bekommen, um Start-ups zu unterstützen. „Man kommt als Gründer oft nur mit großem Aufwand an Projektmittel“, hat Bolte-Richter an der Uni Paderborn erfahren: „Und natürlich müssen wir uns auch anschauen, ob die Start-up-Förderung wirklich bei allen ankommt. Wie kriegen wir es zum Beispiel hin, dass auch Nicht-Akademiker, zum Beispiel Handwerker, an Fördermittel kommen?“ Momentan dürften Nicht-Akademiker nämlich auf Förderprogramme wie HochschulStart-up.NRW oder das Exist-Gründerstipendium nicht zugreifen.

An den sechs digitalen Hubs, die noch unter Rot-Grün eingeführt wurden, um die Start-up-Szene zu vernetzen, will die Partei festhalten – und sie ergänzen. „Wir könnten uns zum Beispiel Hubs zu speziellen Fragestellungen vorstellen, etwa Nachhaltigkeit.“ Auch die Gründung eines Digitalinstituts könne man sich weiterhin vorstellen. „Es braucht eine Stelle, die interdisziplinär den Weg nach vorne weist“, sagt Bolte-Richter: „Einen Leitstern.“

Gleichzeitig will man die Frauenförderung stärker in den Blick nehmen. Nur 13,6 Prozent der Gründer an Rhein und Ruhr waren zuletzt laut einer Studie weiblich. Bolte-Richter will daher bessere Beratungsangebote für gründungswillige Frauen schaffen. „Man muss nüchtern festhalten, dass Frauen anders gründen als Männer. Männliche Gründer muss man häufiger von hohen Wolken runterholen, während Frauen eher mehr Wind unter den Flügeln brauchen.“

Und auch die Politik kann aus Bolte-Richters Sicht noch einiges von Start-ups abschauen: „Man gönnt sich in der Szene auch gegenseitig Erfolge, gibt sich Ratschläge und kooperiert. Diese Offenheit können Parteien auf jeden Fall von der Gründerszene lernen.“

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