Düsseldorf NRW Vorgestellt

App hilft bei der Parkplatzsuche

In der Düsseldorfer Innenstadt suchen Autofahrer oft vergeblich. Ein Unternehmen will nun per App ungenutzte Plätze reservierbar machen.

Katharina Andrä ist Ärztin und daher mit den existenziellen Fragen des Lebens bestens vertraut. Und in Düsseldorf gehört dazu die Frage: Wo soll ich parken? Diese Frage musste sich die 30-Jährige jeden Abend nach der Rückkehr aus Oberhausen stellen, wo sie arbeitet. Zu Hause in Pempelfort suchte sie oft eine dreiviertel Stunde lang einen Parkplatz. „Ich bin immer ewig herumgekurvt!“

Rund 61 Stunden im Jahr verbringen die Düsseldorfer Autofahrer im Schnitt mit der Parkplatzsuche, so eine Studie für das Jahr 2017. Das sind zweieinhalb volle Tage. Und das Problem treibt noch weitere groteske Blüten: Immer wieder kommen die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr nicht durch, weil falsch geparkte Autos den Weg versperren. Hebammen nehmen teils keine Aufträge mehr in Stadtmitte an, weil sie dort keinen Parkplatz finden. Zweite-Reihe-Parker gefährden besonders Kinder auf dem Schulweg, weil die oft zwischen Autos auf die Straße treten müssen und dann von Autofahrern erst spät gesehen werden.

Stellplätze in Tiefgaragen werden in Düsseldorfer Premiumlagen für bis zu 65.000 Euro Verkaufspreis gehandelt. Wer es sich leisten kann, greift zu extremen Mitteln, damit seine Tiefgaragenzufahrt nicht zugeparkt wird. So wie ein Bewohner Oberkassels, der zwei eigens dazu angeschaffte Kleinstwagen als Poller benutzt.

Zunächst erscheint die Ursache für das Problem ganz einfach: Es gibt zu wenig Platz für zu viele Autos. Wenn all die Menschen, die in Düsseldorf wohnen und arbeiten, ihr Auto vor Wohnung oder Büro abstellen wollen, und zwar womöglich noch kostenlos, kommt der Straßenrand relativ schnell an seine Kapazitätsgrenzen.

Eine aufwendige Parkraumanalyse aus dem Jahr 2016 kam beispielsweise für Flingern zu dem Ergebnis, dass zwischen 6 und 22 Uhr im Normalfall alle Parkplätze belegt sind. Die Autos standen dort in der Regel 16 Stunden oder mehr. Für Menschen, die neu hinzukamen und parken wollen, blieb nur die zweite Reihe.

Das Problem wird noch verschärft dadurch, dass die Stadt Düsseldorf den Wohnungsbau anregen will. Die Stadt boomt, viele Menschen finden hier Arbeit und Ausbildung – und wollen gerne auch eine Wohnung. Zwar müssen Immobilienentwickler auch Parkplätze schaffen, wenn sie Häuser bauen, beispielsweise in Form von Tiefgaragen. Doch damit der Wohnungsbau nicht gehemmt wird, gibt es zum einen die Möglichkeit, eine Ablöse zu zahlen. Das Geld wird immerhin dazu verwendet, Anwohnerquartiersgaragen zu bauen und zu betreiben. Darin können Anwohner dann einen Parkplatz mieten. Doch zum anderen erlaubt die Stadt für Wohngegenden, die besonders gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind, weniger als einen Stellplatz pro Wohneinheit zu bauen.

Dahinter steht natürlich immer auch der heimliche Wunsch, die Menschen, die nach Düsseldorf ziehen, mögen doch einfach komplett aufs Auto verzichten und lieber Fahrrad und Bus fahren. Oder wenigstens Car-Sharing nutzen. Dann wäre die Luft auch besser und es gäbe weniger Staus. Ob das realistisch ist, sei dahingestellt.

Das alles führt dazu, dass Autobesitzer wie Katharina Andrä allabendlich der Verzweiflung sehr nahe kommen – es sei denn, ein kleines Wunder geschieht und eine App bietet die Möglichkeit, ganz in der Nähe der Wohnung einen Parkplatz zu mieten. „Ich habe mich sehr gefreut“, sagt Andrä über ihren neuen Stellplatz auf dem ehemaligen Telekom-Gelände an der Moltkestraße. Seit Ende März mietet sie dort über eine App namens Ampido für 80 Euro pro Monat einen Parkplatz. „Das ist echt gut und geht sehr einfach“, sagt sie. Ampido beschreibt sich selbst als „AirBnB für Parkplätze“.

Der Gedanke, sagt Gründer Yasotharan Pakasathanan, sei folgender: „Überall stehen superviele Parkplätze leer. Wir finden diese Parkplätze und ermöglichen den Inhabern, sie immer dann über unsere App zu vermieten, wenn sie sie gerade nicht brauchen.“ Leere Parkplätze in Düsseldorf? Soll das ein Witz sein? „Nein“, sagt Pakasathanan, „wirklich. Man sieht viele Parkplätze einfach nicht.“ Tiefgaragen seien ein Beispiel: Viele Büros hätten dort Stellplätze, die nicht ständig genutzt würden.

„Der Schatz liegt unter der Erde.“ Immobiliengesellschaften kümmerten sich lieber um Gebäude, als die Parkplätze im Hinterhof zu vermieten. Selbst Privatleute würden ihre Stellplätze nicht immer brauchen. Tagsüber stünden die vielleicht leer, weil die Inhaber bei der Arbeit seien. „Die meisten Städte haben kein Parkplatzproblem“, sagt Pakasathanan, „sondern ein Kommunikationsproblem“. Und das will Ampido ändern.

Die 20 Mitarbeiter des Kölner Unternehmens machen Parkplätze ausfindig. Wenn die Inhaber zur Vermietung bereit sind, rüstet Ampido – falls erforderlich – Schranken oder Garagentore digital auf. Sobald ein Autofahrer über die App einen Parkplatz reserviert, bekommt er einen Code aufs Handy geschickt. Damit bekommt er Zugang zum Parkplatz. Einen Teil des Mietpreises behält Ampido, den Rest erhält der Parkplatzinhaber.

Laut Pakasathanan kann man seinen Parkplatz auch nur für bestimmte Zeiten zur Verfügung stellen. Parker werden dann mit einer Pushmitteilung daran erinnert, den Platz zu räumen. Und wenn sich ein Falschparker breitmacht, besorgt das Unternehmen Ersatz – so das Versprechen.

Katharina Andrä ist jedenfalls zufrieden. „Der einzige Nachteil ist, dass ich nur für drei Monate am Stück reservieren kann“, sagt sie. Sie hätte nichts dagegen, den Stellplatz direkt für ein halbes oder ganzes Jahr zu mieten. Und auch der Inhaber des Ex-Telekom-Geländes, die Cesa-Group aus Berlin, zeigt sich hochzufrieden: „Ich höre bisher nur Positives“, sagt Geschäftsführer Achaz von Oertzen, „die Kommunikation mit Ampido funktioniert super“. Cesa unterstütze die Idee auch deshalb, weil das Verkehrsamt dazu angeregt habe. Die Vermietung des Geländes als Parkplatz hat jedoch ein Haltbarkeitsdatum: Dort soll in absehbarer Zeit gebaut werden.

Im Grunde bietet Ampido eine Umsetzung für den Lösungsvorschlag an, den auch Düsseldorfs Verkehrsdezernentin Cornelia Zuschke bereits in die Diskussion eingebracht hat. Um das Parkplatzproblem zu lösen, müssten Privatleute zusammenarbeiten, glaubt sie: „Die Idee der App und eines Parkplatz-Sharings ist grundsätzlich gut, da sie dazu beiträgt, den bestehenden Parkdruck zu reduzieren.“ Sie kündigt allerdings auch an, das Angebot der App genau prüfen zu wollen.

„Ob die gewerbliche Nutzung des öffentlichen Straßenraumes in manchen Fällen zulässig ist, müsste überprüft werden.“ Hierzu werde sich die Stadt mit dem Geschäftsführer der Ampido-App in Verbindung setzen. Mitte März hatte Zuschke gesagt: „Es wäre aus meiner Sicht toll, wenn Supermärkte oder Parkhausbetreiber auch Bereiche für Pendler, Ladestationen für Elektrofahrzeuge oder gebündelte Serviceeinrichtungen zur Verfügung stellen würden.“

An Supermarkt-Parkplätze sei man dran, versichert Pakasathanan. „Das ist ein Segment, in das wir einsteigen wollen.“ Die nächste Idee dürfte der Stadt auch gefallen: Ampido will Elektro-Ladestationen reservierbar machen.

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