Düsseldorf

Ein Schutzschild für „Kronjuwelen“

Ein Düsseldorfer Start-up verkauft Unterhosen, die vor Handystrahlung schützen. Was als zufällige Idee begann, hat sich zu einer gut laufenden Firma entwickelt, das nun von einem französischen Unternehmen gekauft wurde.

Über gesundheitliche Risiken von Handystrahlung wird seit langem diskutiert. Dabei geht es nicht nur um Hirntumore, sondern auch um Männlichkeit. Im Detail um die Fruchtbarkeit von Männern. Deshalb gründeten vier Studenten das Start-up „Kronjuwelen“, um – wie der Name vermuten lässt – das Allerheiligste der Männer zu schützen.

2008 studierte der Düsseldorfer Nick Piepenburg zusammen mit drei Freunden Betriebswirtschaftslehre in München, als in den Medien wieder einmal über die gesundheitlichen Auswirkungen von Handystrahlung auf die männliche Fruchtbarkeit diskutiert wurde. „Da kamen wir auf die Idee, eine strahlensichere Unterhose zu entwickeln“, erzählt Nick Piepenburg. Doch diese Idee wurde zunächst erst einmal wieder verworfen. „Wir dachten, das ist eher ein Thema für große Unternehmen.“

Doch als auch Jahre später die Idee noch nicht umgesetzt wurde, entschieden sich die vier mittlerweile berufstätigen Freunde ernst zu machen und ihre Idee in die Tat umzusetzen. Zusammen mit einem Produzenten feilten sie an der Umsetzung.

Mitte 2015 ging es dann mit dem fertigen Produkt auf den Markt. Der Materialmix ist dabei für eine Unterhose relativ ungewöhnlich. Mit einem Anteil von 20 Prozent Silber im Stoff, sollen laut der Hersteller rund 98 Prozent der Strahlung geblockt werden. Doch wie so oft gehen gesundheitliche Vorzüge nicht automatisch mit modischen einher. Aufgrund des Silberanteils wird die Unterhose ausschließlich in einem Grauton verkauft, auch wenn der orangefarbene Bund ein wenig Farbe ins Spiel bringt. Der Verkaufspreis von 35 Euro pro Stück ist zudem im Vergleich zu herkömmlichen Unterhosen relativ hoch.

In der Anfangszeit musste das ungewöhnliche Unternehmen zudem mit einem Rückschlag zurrechtkommen. Über die Online-Plattform „Kickstarter“, auf der Unternehmen Kapital sammeln können, wollten die vier Gründer 25.000 Euro generieren. Am Ende wurden es nur 12.000 Euro, weshalb sie nach den Richtlinien von Kickstarter gar kein Geld bekamen, da sie ihr selbst gestecktes Ziel verfehlten. Kurzerhand entschlossen die Freunde, ihr eigenes Geld zu investieren.

Zu dieser Zeit stand auch eine Teilnahme an dem TV-Format „Die Höhle der Löwen“ zur Debatte, doch nach genauerer Überlegung entschieden sich die Tüftler dagegen. „Eine Teilnahme hätte sicher einen großen Werbeeffekt gebracht“, sagt Nick Piepenburger, „doch wir ahnten, dass wir die Juroren nicht überzeugen könnten.“

Ohnehin sieht Piepenburger derartige TV-Formate kritisch. Zwar hätten sie den Gründergeist in Deutschland verbessert, doch werde Aufwand und Arbeit dahinter häufig unterschätzt. Genauso wie das Risiko. So arbeiteten die Vier in ihren eigentlichen Berufen, in ihrer Freizeit setzten sie das Kronjuwelen-Projekt um, um im Falle eines Scheiterns abgesichert zu sein. In der ersten Zeit wurden deshalb abends im heimischen Wohnzimmer die Unterhosen eigenhändig verpackt und verschickt.

Doch mit den Jahren wurde das Unternehmen größer. Genaue Zahlen will Piepenburg nicht nennen, doch der Abverkauf sei stetig gewachsen. So weit, dass die vier Gründer nun entschieden haben, ihre Kronjuwelen an den französischen Konkurrenten Spartan zu verkaufen. „Ein bisschen Wehmut ist dabei“, sagt Nick Piepenburg, „doch am Ende wurde die Belastung neben Job und Familie zu groß“. Denn drei der vier Gründer sind mittlerweile Väter geworden. Es scheint, als hätte ihr Produkt in dieser Hinsicht auf jeden Fall einen guten Job gemacht.

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