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Dienstleister vom Niederrhein mit App für die Pflege

Wer nimmt die Wäsche „mal eben mit runter“? Der Pfleger? Auch wenn es ein profanes Thema scheint: Wer sorgt sich um die Wäsche bei der Pflege zu Hause?

Die Haushalts-Waschmaschine reicht manchmal nicht aus, um die Hygiene bei der Pflege zu Hause zu wahren, die für die Wäsche nötig wäre. Vor allem, wenn dann auch noch resistente Keime hinzu kommen. Dann sollte Bett- und Leibwäsche in eine professionelle Wäscherei. Oder die Waschmaschine steht Stockwerke tiefer im Keller und ist für den Pflegebedürftigen inzwischen unerreichbar.

„Wir haben gesehen, dass ,Essen auf Rädern’ und der ,Hausnotruf’ funktionieren und haben uns gefragt, ob man nicht auch die Wäscheversorgung für ambulant gepflegte Menschen ähnlich organisieren kann“, sagt Frank Schmitz, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fakultät Life Sciences der Hochschule Rhein-Waal. In der stationären Pflege werde das Problem dem Patienten ja abgenommen. Ambulant sei das aber eine Frage der Logistik. „Wie bekommen wir die Wäsche vom Pflegenden zur Wäscherei und wieder zum Pflegenden zurück und können wir irgendwie von einem Größenvorteil profitieren, also viele Wäschen bündeln, damit sich das lohnt?“, erklärt Schmitz.

Man braucht also eine Gesellschaft, die das Ziel hat, Wäschereidienstleistungen zwischen ambulant pflegebedürftigen Menschen, ambulanten Pflegediensten und Wäschereien zu vermitteln. Schmitz entwickelte mit seinem Team ein Geschäftsmodell und schuf als Ausgründung aus der Hochschule Rhein-Waal die „CosaVita“. CosaVita ist die Gesellschaft, die genau die Vermittlung zwischen pflegebedürftigen Menschen, ambulanten Pflegediensten und Wäschereien vermittelt, als IT-basierter Prozesskoordinator. „Diese Systemlösung umfasst eine elektronische Plattform zur Prozess- und Logistiksteuerung sowie die Abwicklung des Zahlungsverkehrs, die Bereitstellung von Logistikkomponenten und die nötige Hardware“, sagt Schmitz. Mit CosaVita habe man nach ,Essen auf Rädern’ und dem ,Hausnotruf’ das dritte skalierbare Geschäftsmodell im Bereich ambulante Altenpflege, sagt der Professor nicht ohne Stolz. Man kenne ähnliches nur aus der Bewohnerwäscheversorgung für Altenheime. „Das ist ein seit langem etabliertes Geschäftsmodell“, sagt Schmitz.

Der Aufwand für die Mitarbeiter der beteiligten Pflegedienste soll möglichst gering bleiben. Die Wäsche bekommt einen Strichcode, wird in einem hygienisch gesicherten Wäschesack verwahrt, der dann vom Pflegedienst mitgenommen wird, wenn er nach der Pflege das Haus verlässt. Der Pfleger muss nur den Sack mit seinem Handy scannen. „Dafür haben wir eine App entwickelt“, sagt Schmitz. Die App informiere auch die Wäscherei, dass da ein Sack unterwegs ist, der Wäschesack werde von der Wäscherei gestellt und sei hygienisch gesichert und geruchshemmend, erläutert Schmitz. Beim Pflegestützpunkt lädt der Mitarbeiter den Sack in entsprechenden Behältern ab, die von einem Logistiker gesammelt und zur Wäscherei gebracht werden. Dort werden sie wieder gescannt, gereinigt und kommen auf dem gleichen Weg wieder zurück.

Der erste Kunde von CosaVita ist die Caritas Geldern-Kevelaer, die Wäsche geht an eine Sonsbecker Wäscherei. Schmitz ist überzeugt, bald mehr Kunden zu haben. Die Zahlen sprechen für sich: Es gibt 12.745 ambulante Pflegedienste, die die Ausgründung aus der HSRW als potentielle Kunden hat. Tendenz steigend für die nächsten Jahre. „Es gibt nichts vergleichbares – wir wissen noch nicht, wie viele das in Anspruch nehmen“, sagt Schmitz. Die Zusammenarbeit mit der Caritas läuft jetzt seit mehreren Monaten.

Die andere Frage ist noch, wer das bezahlen will und das bezahlen kann. Bis jetzt liegen, so Schmitz, die Preise für eine Rundum-Wäscheversorgung bei rund 100 Euro im Monat. Das ist nicht wenig, weiß Schmitz. Aber der Pflegebedürftige oder seine Angehörigen können den Service auch für einzelne Teile buchen, beispielsweise die schweren Sachen wie die großen Teile der Bettwäsche, wie Badelaken. Oder eben wie die Wäsche, die nicht nur rein sondern hygienisch sauber sein muss. Das kostet entsprechend weniger. „Das kann ganz individuell gesteuert werden“, sagt Schmitz. Ansprechpartner für den Endverbraucher ist dann aber nicht CosaVita, sondern deren Partner, der Pflegedienst.

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