NRW

Online-Supermarkt boomt in Mönchengladbach

Platzhirsch Picnic verzeichnet seit seinem Start im September zweistellige Wachstumsraten in Mönchengladbach. Mit GetNow startet jetzt auch ein Konkurrent in der Stadt.

Für einen Supermarkt sieht es bei Picnic auf dem Areal des alten Kabelwerks ziemlich leer aus. Ein paar der kleinen Elektrowagen parken in der Halle, Rollwagen mit Kisten darin stehen sorgsam aufgereiht an der Wand, Steckdosen mit Kabeln zum Aufladen – ansonsten viel freier Boden. So sieht die „Hub“ genannte Verteilerstation des Online-Supermarktes Hub aus. Ein 40-Tonner, der zu hoch für das Tor ist, liefert die fertig gepackten Wagen mit den vorkommissionierten Lieferungen für die Kunden zweimal am Tag von Viersen nach Mönchengladbach. Und vom Hub aus fahren die Lieferanten mit den kleinen Elektro-Lastwagen die Bestellungen zu den Kunden. Frederic Knaudt und Manuel Stellmann, zwei der vier Deutschland-Chefs, erklären den Mitgliedern der Logistik-Initiative Mönchengladbach, wie das so funktioniert mit ihrem Online-Supermarkt. Und sie verkünden: „Mönchengladbach ist die Stadt mit dem stärksten Wachstum für Picnic überhaupt, inklusive der Niederlande.“ Mönchengladbach, wachsend – da nicken OB Hans Wilhelm Reiners und Wirtschaftsförderer Ulrich Schückhaus zufrieden.

Lebensmittel im Online-Handel scheinen zu funktionieren. Den Zahlen Picnics zufolge haben sich bereits mehr als 7000 Gladbacher mindestens eine Bestellung von Picnic liefern lassen. Auf der Warteliste derer, die noch nicht beliefert werden können, stehen weitere mehr als 5000. „Die Menge an Leuten, die wir in jeder Woche für Bestellungen freischalten, kommt auf der Warteliste wieder neu hinzu“, sagt Frederic Knaudt. Drei Monate nach dem Start beschäftigt das Unternehmen rund 100 sogenannte Runner, die die Bestellungen ausliefern, meist sind das Studenten und junge Erwachsene. Das wöchentliche Wachstum beziffern die beiden Chefs auf bis zu 40 Prozent. Das Wachstum in Mönchengladbach sei insgesamt rund 20 Prozent stärker als das in der wichtigsten Picnic-Stadt in den Niederlanden. Mehr als 2600 Bestellungen pro Woche liefert Picnic in Mönchengladbach aus. „Der Markt für Online-Lebensmittel-Bestellungen ist riesig“, sagt Frederic Knaudt.

Das glaubt auch das Unternehmen Getnow, das Ende November seinen dritten Standort in Neuss (nach Berlin und München) eröffnet hat und von dort aus die Region, auch Mönchengladbach, mit Lebensmitteln der Metro beliefert. Das Unternehmen verspricht aus einem Sortiment von derzeit mehr als 12.000 Produkten, die Kunden innerhalb von 90 Minuten oder zur Wunschzeit zu beliefern. Das ist noch schneller als Picnic, das immerhin einen Tag braucht. Geht eine Kundenbestellung ein, kaufen die Picker die gewünschten Lebensmittel für die Getnow-Kunden in den Metro-Märkten ein. Sie wählen zum Beispiel an der Fleisch-, Fisch- oder Käsetheke die Produkte aus, die sie auch für sich selbst nehmen würden. Die Zustellung erfolgt dann mit dem Versanddienst DHL. Das Modell unterscheidet sich also von Picnic: Während Picnic ein Online-Supermarkt ist mit eigenem Sortiment (das in Teilen von Edeka geliefert wird), geht Getnow als Dienstleister für die Kunden einkaufen. „Der Lebensmitteleinkauf ist auch Vertrauensfrage“, sagt Getnow-Geschäftsführer Dominik Reinartz. „Daher erhalten wir viele neue Kunden auch durch Weiterempfehlungen.“

Die Expansionspläne zeigen auch, wie viel Bewegung im Online-Lebensmittelhandel ist. Zwar betrug der Onlineanteil der Lebensmittelbranche am Einzelhandel laut Handelsverband Deutschland (HDE) im vergangenen Jahr lediglich 1,1 Prozent. Aber es handelt sich um ein Segment, das im Vergleich zu Bereichen wie Mode und Elektro noch deutlichen Nachholbedarf hat. Laut „Online Monitor 2018“ des HDE hat der Online-Lebensmittelhandel im vergangenen Jahr um 17,5 Prozent zugelegt. Er wird daher von den Handelsexperten als „dynamische Nachzüglerbranche“ eingestuft.

Das könnte Sie auch interessieren
Mehr öffentliche Aufträge für Start-ups?
„Kunden wollen klassische Berater“