NRW Vorgestellt

Moerser 360°-Panoramen im Sitzkissen

Für den jungen Moerser Unternehmer Noel Schäfer soll die Arbeit Spaß machen, um so kreativ sein zu können. Das funktioniert für ihn nur, wenn die Mitarbeiter ihre Arbeitsumgebung selbst gestalten können.

Die Grafenstadt hat schöne Seiten. Diese zeigt sie zum Beispiel auf der städtischen Internetseite unter den Begriffen Tourismus und Stadtrundgang. Besucher der Seite können sich vor dem Moerser Schloss um 360 Grad drehen, um alles anzusehen, wie sie mehrere Stellen im Schlosspark, in der Neustraße oder vor dem neuen Rathaus komplett ansehen können. In den nächsten Monaten können sie weitere Rundumansichten betrachten, beispielsweise das Innere der Stadtkirche, das Äußere des Landratsamtes oder das Äußere der Feuerwache in Hülsdonk. Vielleicht lesen sie unten auf der Internetseite den Unternehmensnamen Telepano, von dem die virtuellen 360-Grad-Panoramen für die Stadt entwickelt wurden.

„Bis zu fünfmal mehr Zeit verbringen Menschen auf einer Webseite, wenn sie darauf 360-Grad-Panoramen sehen“, erzählt Noel Schäfer. „Je länger die Menschen auf einer Webseite verweilen, desto wahrscheinlicher nehmen sie Kontakt auf.“ 2014 gründete er das Unternehmen Telepano, das in seinem Namen ein Kürzel für den Panoramablick in sich trägt und zu Beginn ausschließlich Fotografien in Rundumblicke transformierte. Da hatte er gerade sein Abitur am Rheinkamper Gymnasium abgelegt.

„Ich gehöre der ersten Generation an, die mit dem Smartphone in der Hand groß geworden ist“, schmunzelt der 23-jährige Moerser. „Ich fotografiere gerne und war schon immer ein Fan von virtuellen 360-Grad-Rundgängen.“ So wandelte er schon als Schüler für ein Unternehmen Fotos, die von einem Punkt aus in vier Richtungen geschossen wurden, in Panoramen um. Kurz bevor er an der Düsseldorfer Hochschule sein Studium für Politik, Medien und Soziologie aufnahm, das er als Bachelor abschloss, gründete er das Startup Telepano.

2020 will er an der Universität in Duisburg einen Master der Gründungs- und Innovationswissenschaft ablegen, der englisch Innopreneurship heißt. Sein Unternehmen stellt Rundumblicke her, beispielsweise für die Internetseiten der Städte Rees, Xanten oder Moers wie für das Lamborghini-Autohaus in Düsseldorf oder das Moerser Restaurant „la Calma“ nahe der Hufeisenkreuzung an der Uerdinger Straße. „Wir haben 2018 für über 140 Unternehmen, Gesellschaften und Städte Panoramen entwickelt“, freut sich Noel Schäfer. „Weil sie uns gefragt haben, ob wir auch Internetauftritte, Online-Marketing und das Social-Media-Marketing anbieten, haben wir unser Angebot erweitert. Auch die Printwerbung haben wir aufgenommen, weil das Papier, das man haptisch fassen kann, im digitalen Zeitalter eine neue Zukunft hat.“

Mit „wir“ schließt er seine zwei festen Mitarbeiter ein, sowie seine Freischaffenden, mit denen er kooperiert, beispielsweise Webdesigner aus dem Ruhrgebiet, einem Texter aus Österreich und einer Grafikerin aus Kolumbien, die er aus seiner Studienzeit in Düsseldorf kennt. „Sie arbeiten von Zuhause aus“, berichtet Noel Schäfer. „Im digitalen Zeitalter rückt die Welt zusammen. Zuhause können sie sich ihre Arbeitszeit einteilen, sich ihre Arbeitsumgebung so gestalten, wie sie es wollen.“

Diesen Trend sieht er auch für Büros. In seinem Büro, das er in einem Bürogebäude im Eurotec-Gelände angemietet hat, stehen zum Beispiel viele Blumen und Stauden oder hängen mehrere abstrakte Bilder. Außerdem liegt darin ein großes Sitzkissen, auf das er sich schon einmal setzt, um auf seinem Laptop zum Beispiel die digitalen Marketings-Kampagnen seiner Kunden zu betreuen oder Bilder der Moerser Stadtkirche in Rundumansichten zu verwandeln. „Arbeit muss in der heutigen Generation Spaß machen“, erzählt er. „Nur wenn sie Spaß macht, kann man kreativ sein. Spaß kann sie nur in der richtigen Umgebung machen.“

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