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Der Mann mit dem Wow-Gespür

Von Zürich aus investiert Lakestar-Gründer Klaus Hommels weltweit in Start-ups wie Spotify oder Omio. Aufgewachsen ist der 52-Jährige jedoch in Jüchen am Niederrhein. Dies ist seine Geschichte.

Zürich Das Gymnasium Odenkirchen hat in seiner mehr als 150-jährigen Geschichte einige Prominenz hervorgebracht, den Ex-Bundesliga-Trainer Michael Frontzeck zum Beispiel oder auch den Kabarettisten Volker Pispers. Auch der frühere Mönchengladbacher Oberbürgermeister Norbert Bude besuchte die Schule. So kann man es in einer Schulbroschüre, aber auch im Online-Lexikon Wikipedia nachlesen, wo das Gymnasium und seine Geschichte seit knapp 15 Jahren mit einem eigenen Artikel zu finden sind.

Der Name Klaus Hommels taucht in diesen Artikeln bislang nicht auf  – und das dürfte dem 52-Jährigen im Grunde sogar ganz recht sein. Obwohl der ehemalige Schüler des Gymnasiums inzwischen einer der erfolgreichsten Start-up-Investoren Europas ist, ist Hommels, der 1986 in Odenkirchen Abitur machte, einer breiten Öffentlichkeit immer noch nahezu unbekannt.

Die Unternehmen, die er mit seiner Firma Lakestar finanziert hat, dürften hingegen wohl den meisten ein Begriff sein: Facebook, Spotify, Airbnb, Skype, Xing. Aus all diesen Ideen wurden Millionen- oder gar Milliardenkonzerne. Auch dank des Mannes, der in einem Büro am Zürichsee in der Schweiz in einem tiefen Sessel sitzt, den Arm über die Lehne baumeln lässt und mit den Fingern durch den Teppich streift, während er seine Geschichte erzählt.

Und die beginnt am Niederrhein, genauer gesagt auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe von Jüchen. Hier wuchs Hommels auf, hier spielte er mit seinen Freunden Fußball, nicht im Verein, wie er sagt, sondern auf der Straße – als Borussia-Mönchengladbach-Fan natürlich in Puma-Schuhen.

„Ich habe immer in Puma-Schuhen gespielt“, sagt Hommels. Als seine Oma ihm eines Tages 20.000 Mark zum Investieren gab, fiel dem Schüler die Entscheidung, wofür er dieses Geld nutzen würde, relativ leicht. „Ich habe mir gedacht: Ok, wenn Oma die Verluste übernimmt, kann ich ja mit vollem Risiko einsteigen.“ Hommels kaufte Puma-Aktien.

Die Marke war damals begehrt, spätestens seit ein junger Mann namens Boris Becker 1985 in Puma-Schuhen als jüngster Spieler der Geschichte das Tennis-Finale in Wimbledon gewonnen hatte. Und dann schoss auch noch der Argentinier Diego Maradona im Sommer 1986 sein Land in Puma-Schuhen zum Weltmeistertitel, wenn auch teilweise unter Zuhilfenahme der „Hand Gottes“.

Nach dem Börsenstart im Juli kannte die Euphorie jedenfalls keine Grenzen mehr. Die Kurse stiegen und stiegen  – und mit ihnen das Vermögen eines jungen Mannes aus Jüchen. „Ich habe in drei Monaten 100.000 Mark verdient zu einer Zeit, in der ich gleichzeitig zehn Mark Taschengeld bekommen habe“, erinnert sich Hommels. Damals habe er sich gesagt: „Ok, das ist ja eine dufte Sache. Mit zwei Telefonanrufen hunderte Jahre Taschengeld – das lohnt sich. Das Spiel gefällt mir.“

Und Hommels beherrscht es. Als die Aktienkurse später einbrechen, ist er längst ausgestiegen. Das Gespür für den richtigen Zeitpunkt hat er bis heute bewahrt. Hommels sei ein Trüffelschwein was Deals angeht, hat Xing-Gründer Lars Hinrichs mal über ihn gesagt. Das „Manager Magazin“ schätzt Hommels Vermögen inzwischen auf rund 300 Millionen Euro.

Den Grundstein dafür musste er später erneut legen, die Gewinne aus den Aktiengeschäften waren schnell wieder passé. Doch sein Interesse an Wirtschaft war geweckt. „Das war schon ein äußerst einschneidendes Erlebnis“, sagt er: „In der Schule war Wirtschaft ja nie ein Thema.“

Nach einer Banklehre in Düsseldorf zog es ihn in die Schweiz, ab 1988 studierte er Wirtschaft in Fribourg, wo er anschließend auch promovierte. „Im Herzen bleibe ich immer Rheinländer“, sagt er. Ihm fehlen Currywurst-Buden und italienische Eisdielen in Zürich, wo er inzwischen seit vielen Jahren lebt: „Hier gibt es nur Mövenpick-Eis.“

Über den Medienkonzern Bertelsmann kam Hommels als damals fünfter Mitarbeiter in die Geschäftsleitung des Internetanbieters AOL Europe, bevor er sich im Jahr 2000 entschied, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen – und in Start-ups zu investieren.

Zwei Wochen später platzte die Dotcom-Blase, brach der Neue Markt ein. Statt selbstständig war Hommels plötzlich praktisch arbeitslos. „Da ging gar nix mehr und ich musste mich mit miesen Beratungsjobs über Wasser halten“, erinnert er sich an diese Phase. Erst 2004 sei es wieder bergauf gegangen. Und Hommels bewies den richtigen Riecher.

„Klaus ist einer der wenigen Investoren mit einem herausragendem Gespür für die großen und disruptiven Themen“, sagt Christian Winter, Geschäftsführer von Tengelmann Ventures, einem der wichtigsten deutschen Risikokapitalgeber.

„Am Ende des Tages waren es unheimlich viele glückliche Zufälle“, sagt Hommels hingegen bescheiden. Er blickt an die Wand, wo Gemälde seiner vier Kinder hängen und die Hand kratzt wieder über den Teppich in seinem Büro: „Wenn man ein-, zweimal bei Investments Glück gehabt hat, denken die Leute, du weißt, was du tust – und dann wird es immer einfacher.“

Zwei Monate telefonierte er täglich dem Skype-Gründer hinterher, um bei ihm investieren zu dürfen, hat er mal erzählt. Zwei Monate habe es auch gedauert, um an Facebook-Anteile zu kommen. 

Heute findet man auf der Internetseite seiner Investment-Firma Lakestar weder Telefonnummer noch E-Mail-Adresse. Wer mit Hommels Geschäfte machen will, muss schon empfohlen werden oder auf andere Art sein Interesse wecken. „Es muss bei Unternehmen immer einen Wow-Effekt geben“, sagt Hommels. Er hat zuletzt einen neuen Fonds aufgelegt, um in Start-ups zu investieren. 800 Millionen Euro soll der schwer sein.

Von Aktien hingegen lässt er, trotz der Erfolge seiner Jugend, inzwischen die Finger: „Ich mag die nicht. Ich mache mir gerne intensiv Gedanken über ein Unternehmen, bevor ich investiere. Bei Börsenkursen sorgen aber auch ganz viele andere Faktoren für permanente Schwankungen. Das macht mich zu nervös.“

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