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Chronext verpasst Umsatzziele und will frisches Kapital

Die Chronext-Gründer waren Anfang 20, als sie anfingen Luxusuhren über das Internet zu verkaufen. Investoren haben Millionen in das Kölner Start-up gesteckt. Doch nun läuft es offenbar nicht so gut wie erhofft. Was ist da los?

Von den teuersten Uhren gibt es nicht mal ein Foto: 130.050 Euro sollen die zwei Modelle von Cartier aus Weißgold kosten, deren Aussehen in einer Skizze nur grob zu erkennen ist. In Köln haben sie sich inzwischen an solche Summen gewöhnt. Seit 2013 arbeiten die beiden Gründer Ludwig Wurlitzer und Philipp Man inzwischen daran, das Geschäft mit den Luxusuhren zu digitalisieren. Ein russischer Kunde kaufte sogar mal eine Patek Philippe für 540.000 Euro.

Die Geschichte von Chronext ist bislang eine der größten Erfolgsgeschichten aus der NRW-Digitalszene. 

Doch nun berichtet das Online-Portal Deutsche-Startups, dass Chronext seine Umsatzziele deutlich verfehlt habe. Ursprünglich habe das Unternehmen demnach mit einem Umsatz von 75 Millionen Euro kalkuliert, am Ende seien es aber nur rund 55 bis 60 Millionen gewesen. Die Marge von Chronext soll dem Bericht zufolge bei rund zehn Prozent liegen. Auf eine Anfrage unserer Redaktion gab es vom Unternehmen zunächst keine Antwort.

Trotz des Verpassens der Umsatzziele will das Unternehmen, das von Investoren bislang rund 60 Millionen eingesammelt hat, erneut frisches Geld einsammeln. Die Rede ist von 20 bis 25 Millionen Euro.

Immerhin: Die aktuellen Investoren sind trotz des Rückschlags weiterhin von ihrer Investition überzeugt. „Chronext ist aus unserer Sicht einer der großen Disruptoren im Uhrenhandel“, sagt Thorsten Reuter, Teamleiter Digitalwirtschaft und Technologie bei der NRW.Bank: „Das Unternehmen hat mit seinem innovativen digitalen Geschäftsmodell weiterhin großes Wachstumspotenzial.“ Aus Investorensicht sei Chronext daher weiterhin ein sehr attraktives Anlageobjekt.

Und auch Christian Winter, Chef des Essener Risikokapitalgebers Tengelmann Ventures, ist nicht besorgt: „Für Chronext kommt es jetzt darauf an, durch die neue Finanzierungsrunde den nächsten Schritt in der Entwicklung zu schaffen. Da bin ich aber sehr zuversichtlich.“

Vielleicht waren die beiden Gründer Ludwig Wurlitzer und Philipp Man bei der Formulierung ihrer Ziele auch einfach nur zu ehrgeizig – es wäre ja nicht das erste Mal: 2017 hatte Wurlitzer bereits angekündigt, mehr als 100 Millionen Euro Umsatz im darauffolgenden Jahr machen zu wollen.

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