Köln NRW

Von der Uni ins eigene Unternehmen

Damit mehr Absolventen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, fördert das Land Hochschulen dabei, gründerfreundliche Strukturen aufzubauen. Mit Erfolg?

von Isabelle De Bortoli

Während für 95 Prozent seiner Kommilitonen klar war, dass sie dem intensiven Werben diverser Unternehmen nachgeben und nach dem Studium eine Festanstellung annehmen würden, wollte Wolfram Uerlich etwas ganz anderes: Sein eigenes Unternehmen gründen und eine gute Idee geschäftsreif machen. Der Betriebswirt von der Uni Köln möchte nämlich mit einer App die deutschen Straßen leerer machen und so etwas gegen die hohen C02-Werte tun: „goFLUX heißt unsere Mitfahr-App, und sie bringt innerhalb von Sekunden Fahrer und Mitfahrer bei alltäglichen Fahrten ins Büro oder in die Stadt zusammen“, erklärt er.

Und so funktioniert es: Der Fahrer gibt an, welche Strecke er fährt, die App zeigt automatisch, wo er auf seiner Strecke anhalten muss, um einen Mitfahrer aufzusammeln. Und selbst das Abrechnen der Spritkosten übernimmt die App. Wolfram Uerlich fand bei der Umsetzung seiner Idee zum Ende seines Studiums an der Uni Köln Unterstützung in der eigenen WG: Sein Mitbewohner Nitesh Singh ist IT-Spezialist und kümmerte sich um das Programmieren der App, Nils Kittel und Dennis Pütz kamen als Experten für Marketing und Design beziehungsweise IT dazu – wobei die Gründer zum Teil selbst noch im Studium steckten.

Heute ist das Team auf acht Personen angewachsen und hat seine App unter anderem auf der Hannover Messe Anfang April präsentiert. „Wir haben dort Kunden unter den großen Arbeitgebern gesucht, die die Mitfahr-App ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen und so ihre Klimabilanz verbessern wollen.“

Studentische und wissenschaftliche Gründerteams direkt an der Hochschule fördern – das ist das Ziel der Initiative „Exzellenz Start-up Center.NRW“ des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie. Es unterstützt die RWTH Aachen sowie die Universitäten Köln, Bochum, Münster, Paderborn und Dortmund mit 150 Millionen Euro bei dem Aufbau und Ausbau gründerfreundlicher Strukturen an den Hochschulen. Ziel des Wettbewerbs sei es, bestehende Gründungsinitiativen zu professionell agierenden „Exzellenz Start-up Centern“ auszubauen und weiterzuentwickeln, heißt es.

In Köln ist das der bereits bestehende Gründungsservice „Gateway“. Dort hat auch das „goFLUX“-Team Unterstützung bei seinem Gründungsvorhaben gefunden: „Die Coaches von Gateway geben uns bis heute Feedback und helfen mit Erfahrungen und Tipps. Außerdem konnten wir, als wir schon vor der Gründung eine Büro-Infrastruktur brauchten, ins Gateway einziehen – und zwar kostenlos. Dort sind diverse Gründerteams angesiedelt, mit denen man sich ebenfalls bestens austauschen kann“, sagt Wolfram Uerlich.

Mit den Landesmitteln kann die Uni Köln das Angebot von Gateway nun noch weiter ausbauen, das sich an Studierende, Absolventen und Mitarbeiter richtet. „Wir sind Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Thema Selbstständigkeit für diese Zielgruppen. Das betrifft Fragen zur Entwicklung von Geschäftsmodellen, die Unterstützung bei der Entwicklung von Businessplänen oder die Begleitung bei der Antragstellung in Förderprogrammen“, sagt Marc Kley, Leiter des Gateway-Gründungsservice. Als „Exzellenz Start-up Center“ wird Gateway zukünftig noch weiter aufgewertet. Das zeigt sich etwa durch die Besetzung der zukünftigen Leitung des Centers mit Christian Schwens, Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Managementlehre für Nicht-Wirtschaftswissenschaftler. „Er lehrt an allen sechs Fakultäten Entrepreneurship und bietet so allen Studierenden die Möglichkeit, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen“, so Kley. Zudem wird der Gateway-Gründerservice direkt ans Rektorat angebunden. Außerdem wird es eine größere Zahl an Start-up-Trainer geben, neue Professuren für Digitalisierung und Entrepreneurship, die Schaffung von Transferscouts für die Sichtung transfergeeigneter Projekte aus Wissenschaft und Forschung in allen Fakultäten sowie Maßnahmen zur Unterstützung beim Prototyping. Auch werden erfahrene Gründer sowie Alumni der Uni und Vertreter aus Konzernen in die Gründungsbegleitung stärker eingebunden. „Zentrales Anliegen ist die Durchdringung der Universität mit unternehmerischem Denken und Handeln“, sagt Marc Kley.

Der Leiter des Gründungsservice wirbt bei Studierenden dafür, einer Selbstständigkeit nach dem Abschluss des Studiums offen zu begegnen und diese nicht kategorisch auszuschließen. „Gründungen aus Hochschulen können in der Regel auf einen breiten Wissens­pool zurückgreifen, die Ideen stammen häufig aus Forschungsprojekten oder aus Abschlussarbeiten und Studienprojekten. Das schafft schon mal ein gutes Fundament für innovative Geschäftsideen.

Für Studierende gilt: Das Studium oder die Zeit unmittelbar nach dem Hochschul-Abschluss ist eine gute Zeit, um Geschäftsideen zu entwickeln und erste Markttests durchzuführen. Denn: Meist bestehen dann noch eine gewisse Unabhängigkeit ohne große finanzielle und familiäre Verpflichtungen.

Experte Kley rät: „Insbesondere wenn sich Prototypen zum Beispiel von servicebasierten oder digitalen Dienstleistungen mit überschaubarem finanziellen und zeitlichen Aufwand testen lassen, sollte man das frühzeitig angehen. Frühzeitige Erkenntnisse aus dem Feedback potenzieller User können dann die Entwicklung der Geschäftsidee in die richtigen Bahnen lenken.“

Das könnte Sie auch interessieren
Leon Falter (l.) ist einer der weltweit besten Fifa-Spieler. Bernd Unger gründete „Stage5 Gaming“. Foto: Fred Lothar Melchior/Fred Lothar melchior
Der elektronische Sport ist auch in Solingen auf dem Weg
Landesregierung will bis 2022 jährlich 500 Millionen Venture Capital in NRW