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In Duisburg sollen soziale und nachhaltige Start-ups entstehen

Die Impact Factory auf dem Haniel Campus in Ruhrort bietet Start-up-Unternehmen die Chance, aus einer sozialen Idee ein wirtschaftlich tragfähiges Unternehmen auf die Beine zu stellen. Bewerbungen sind ab sofort möglich.

Von Mike Michel

Steffen Preuss hält den Silikon-Ball in die Höhe. Der junge Unternehmensgründer hat seine Idee zum Geschäft gemacht – aus kleinen Anfängen und mit Unterstützung der Impact Factory. Und Steffen Preuss kann sich, seine Idee und sein Produkt gekonnt präsentieren und verkaufen. Dabei waren einige Hürden zu nehmen, bis aus seiner Firma Ichó auch tatsächlich ein Erfolg werden konnte: „Wir kamen aus der Uni und wollten was für Oma machen“, sagt Preuss. Was sich flapsig anhört, hat einen durchaus ernsthaften Hintergrund. Ichó, so heißt auch das Produkt zur Idee, ist ein interaktiver Ball, der eine strukturierte Oberfläche hat und seine Farbe wechseln kann. Er soll aktivieren und fördern – es gibt viel im wahrsten Sinne des Wortes zu (be)greifen. Sein Einsatz ist daher vielfältig und reicht bis zum Therapiemedium für demenzerkrankte Menschen. Anfangs wurde das Silikon noch in der heimischen Küche gegossen, und Knowhow in Youtube-Tutorials erworben. Inzwischen arbeitet Ichó längst professionell, nicht zuletzt dank der Starthilfe aus Ruhrort.

Das Gründerstipendium Impact Factory hat bislang Start-ups begleitet, die im sozialen, gesellschaftlichen oder ökologischen Bereich tätig waren, die die Welt verbessern wollen – und gleichzeitig damit auch Geld verdienen wollen. Nun hat das am Haniel-Campus in Ruhrort beheimatete Projekt ein neues Kapitel aufgeschlagen. „Bisher haben wir die vor allem die Begleitung von der Idee bis zur Gründung übernommen – nun begleiten wir die Vorhaben vor allem auch in der Gründungs- und Nachgründungsphase“, erläutert Dirk Sander. Sander ist Teil eines fünfköpfigen Teams der Anthropia GmbH, die zusammen mit anderen Partnern (siehe Box) das Projekt durchführt.

Bewerbungen dafür sind ab sofort möglich – natürlich digital, wie es sich für junge Start-ups gehört. Ab Mitte Juli gibt es dann den „Pitch“, eine Art Präsentationswettbewerb, an dessen Ende die besten Bewerber zum Zuge kommen. Mit etwa 20 Teams rechnet Dirk Sander in den nächsten Jahren, die dabei zum Zuge kommen werden. „Das heißt aber nicht, dass am Ende aus jeder Idee auch tatsächlich ein Geschäft wird. Von den 20 werden am Ende weniger als zehn übrig bleiben“, sagt er. Die potenziellen Firmengründer werden gecoacht und bekommen beigebracht, wie eine gute Idee auch wirtschaftlich tragfähig gemacht werden kann. Zunächst in der Gruppe, denn trotz der unterschiedlichsten Ideen und Vorgehensweisen seien die Herausforderungen anfangs ganz ähnlich. Später gibt es dann auch eine individuelle Beratung. Jedes Team bekommt einen Mentor.

Auch Frank Hoffmann ist so ein Mentor. Und er ist sicher ein guter Ratgeber, denn er weiß, wie’s geht. Sein international renommiertes Sozialunternehmen „discovering hands“ (entdeckende Hände) hat laut einer McKinsey-Studie das Potenzial, allein in Deutschland 80 bis 100 Millionen Euro an Gesundheitskosten einzusparen. Der gelernte Gynäkologe Hoffmann hat einen Weg entdeckt, wie blinde Menschen ihren häufig außergewöhnlich entwickelten Tastsinn zur Früherkennung von Brustkrebs einsetzen können. Dieses Verfahren wird inzwischen auch schon in Frankreich, Mexiko, Indien oder Kolumbien angewendet. „Als wir vor sieben Jahren angefangen haben, hätten wir uns sicher auch so eine Einrichtung wie die heutige Impact Factory gewünscht“, erklärte er.

Ein weiteres Beispiel sind die „Heimatsucher“, die Ruth-Anne Damm vom Vorstand dieses Vereins vorstellte. Die „Heimatsucher“ arbeiten mit Zeitzeugen des Holocaust und gehen mit ihnen an Einrichtungen und Schulen, verfassen Dokumentationen und richten Ausstellungen aus, um dieses Kapitel der Geschichte nicht vergessen zu lassen, wenn es keine dieser Zeitzeugen mehr gibt. „Wir arbeiten mit 120 Ehrenamtlichen zusammen, suchen auch Zeitzeugen in Israel und engagieren uns so gegen Rassismus“, sagte sie.

Bis diese Ideengeber es geschafft haben, mit ihrem Projekt auch tatsächlich Geld zu verdienen, war es ein langer Weg. Dabei helfen Projektbeteiligte wie Haniel. „Solche Dinge zu fördern, liegt schon in der DNA unseres Unternehmens“, sagte Jutta Stolle, Direktorin der Haniel-Gesellschafter. Haniel stellt unter anderem auch das Gebäude für die Tätigkeiten der Impact Factory zur Verfügung. „Die Teilnahme bei uns ist kostenfrei. Es gibt keine Gebühren und keine Übernahme von Geschäftsanteilen. Wir hoffen daher, dass uns die Bewerber vor die Qual der Wahl stellen“, meinte Oliver Kuschel von Anthropia.

Die Projektpartner eint vor allem eins: Die Verbindung der sozialen Idee zum wirtschaftlich arbeitenden Unternehmen. Das betonten jetzt auch Annette Heuser, Geschäftsführerin der Beisheim Stiftung und Martina Köchling, Programmdirektorin der KfW Stiftung, Ute Fischer vom Paritätischen NRW sowie Evi Hoch von der Dortmunder Wilo-Foundation. Sie sieht das Ruhrorter Modell durchaus auch als Vorbild für Dortmund an.

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