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Idee für das Stadtbad Krefeld: Ein Gründerzentrum

Seit vielen Jahren diskutiert Krefeld über eine zukünftige Verwendung des Stadtbades an der Neusser Straße. Der Verein „Freischwimmer“ hat sich des Themas angenommen und sucht Lösungen.

Was könnte aus dem Stadtbad an der Neusser Straße werden? Viele Interessengruppen haben sich dieses Themas in der Vergangenheit angenommen. Sie suchten Investoren, ersannen Konzepte und gaben früher oder später auf. Seit rund einem Jahr arbeitet nun eine Gruppe von Ehrenamtlern und Idealisten an einem ganz anderen Konzept: Der Verein „Freischwimmer Krefeld e.V.“ versteht sich nicht als Investor oder Initiator, sondern eher als Moderator der Situation. „Wir möchten Vorschläge sammeln und von Beginn an die Bürger, aber auch die Politik, ins Boot holen. Wir wollen das Bad sozusagen dem Bürger zurückgeben und zu einem Sammelpunkt, einer Anlaufstelle, für möglichst alle Krefelder werden lassen. Vom Denkmal zum Merkmal sozusagen“, sagt Marcel Beging, einer der drei Vorsitzenden des Vereins.

An diesen wurde nun eine neue Idee herangetragen, die das Bad nicht nur als Begegnungsstätte und Kulturraum, sondern auch für die Entwicklung der ganzen Stadt wertig machen könnte: Ein Gründerzentrum. „Es ist eine Idee, die wir sehr interessant finden. Wenn ein Teil der Räumlichkeiten zu Büros und Co-Working-Spaces umgebaut würde, könnten sich junge Unternehmen hier einfinden und dem Areal eine ganz neue Dimension geben. Es hieße nicht, dass das Bad ein Gründerzentrum wird, sondern ein Gründerzentrum ins Bad kommt“, sagt Beging.

Das riesige Areal mit einer Grundfläche von gut 8000 Quadratmetern bietet reichlich Platz für verschiedene Nutzungen. Dabei könnte auch das Schwimmen mittelfristig wieder ein Teil sein. Gerade auch in Verbindung mit besagtem Gründerzentrum. In den modernen Unternehmen, die stilgebend für heutige Startups sind, gehört die Verbindung von Arbeits- und Freizeitort geradezu zum Selbstverständnis. Ein Raum, der ein freies Arbeiten in Verbindung mit Sport- und Gemeinschaftsangeboten verbindet, könnte damit genau das sein, was viele junge Unternehmer suchen. Allerdings gehe es den Initiatoren nicht in erster Linie darum, das Schwimmen zu erhalten.

„Wir wollen hier einen Initiativraum schaffen und damit im besten Fall die Zukunft der Stadt gründen. Kulturell, sozial und wirtschaftlich. Eine Symbiose einer wirtschaftlichen mit einer kulturellen und einer Nutzung als öffentlicher Gemeinschaftsraum wäre in dieser Hinsicht ideal und würde das Quartier, ja die ganze Stadt massiv aufwerten“, sagt Beging.

Das Bad, zu seiner Gründung im späten 19. Jahrhundert das Modernste Europas, könnte so einmal mehr richtungsweisend für Stadtentwicklung werden. „Wir arbeiten intensiv mit allen Stellen zusammen. Die Freischwimmer werden direkt an der Neusser Straße ein Büro gemeinsam mit der Stadt Krefeld beziehen. Gemeinsam wollen wir dafür kämpfen, diese Perle der Krefelder Geschichte zu erhalten“, sagt der Vorsitzende.

Die aktuelle Initiative sei dabei aber auch so etwas wie die letzte Chance für das Areal. „Noch ist die Bausubstanz in Ordnung. Aber sie bröckelt. Zwar finden gerade erste Sanierungen mit Fördermitteln für den Denkmalschutz statt, Fenster werden ausgetauscht, Fassaden erneuert, aber viel Zeit hat das Gebäude nicht mehr“, sagt Beging. Ideen haben er und seine Mitstreiter bereits viele. Und fast täglich kommen Neue hinzu. „Als Zwischennutzung werden kulturelle Veranstaltungen dem Raum neue Impulse geben. Am 29. April gibt es das Badgespräch 2, in dem wir mit Interessenten diskutieren werden. Wir wollen vor allem das Interesse der Krefelder für ihr Bad mit einem Beteiligungsprozess sinnvoll begleiten“, fährt er fort.

Das Konzept soll organisch wachsen und jeder Interessent, darf seine Ideen einbringen. Künftig soll das Bad nicht nur eine Nutzung haben, sondern verschiedene Funktionen produktiv verbinden. „Es ist in einer sehr zentralen Lage, die Wege in die Innenstadt und zum Bahnhof sind kurz“, wirbt Beging. Auch das wären natürlich gute Argumente für künftige Unternehmensansiedlungen. Es passiert etwas an der Neusser Straße. Und der Verein will den Krefeldern ihr Bad, in neuer Ausrichtung, zurückgeben. Politik und Verwaltung unterstützen den Verein. Das gilt hinsichtlich der Idee des „Gründer- und Co-Working Centers“, so der offizielle Name, auch für die Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

Info: Diskussion im Stadtbad

Der Verein Freischwimmer bietet am Montag, 29. April, ab 19 Uhr die Badgespräche 2 an. Unter dem Titel „Zwischen Historie und Utopie – Lebensqualität in der Stadt“ soll dabei mit Bürgern diskutiert und ihnen Möglichkeiten der Entwicklung aufgezeigt werden. Moderiert wird die Veranstaltung von Christian Hampe, dem Initiator der Wuppertaler „Utopiastadt“ und dem ehemaligen Mitarbeiter der Stadt Krefeld, Georg Opdenberg.

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