Mönchengladbach NRW

Gladbachs neue Start-up-Schmiede

Das „Westend.MG“ bietet Gründern Platz für ihre ersten unternehmerischen Schritte. Das Zentrum im SMS-Businesspark soll die Keimzelle von Gladbachs neuer digitaler Wirtschaft sein. Das erste Start-up sorgte schon mal für Aufsehen.

Mit Start-ups ist das ja wie mit der Digitalisierung im Allgemeinen: Alle wollen sie, aber so richtig weiß keiner, was das eigentlich genau ist. Immerhin sollte man sich aber daran begeben, das ist eine Botschaft des Mittwochabends, an dem Mönchengladbach sein Gründerzentrum „Westend.MG“ eröffnet hat. In den Hallen des SMS Businessparks finanzieren Sponsoren Container, in denen junge Start-ups und Gründer ihre erste Heimat für erste unternehmerische Schritte bekommen können.

Und was daraus werden kann, das erlebten die rund 200 Gäste mit dem Gründer Marco Kamischke, der mit seinem Start-up „Megamarsch“ schon einen großen Container im Westend belegt. Kamischke ist forsch und erklärt seine Entscheidung für Mönchengladbach in etwa so. „Ein Social-Media-Beitrag aus Berlin ist nicht besser als einer aus Mönchengladbach.“ Megamarsch, das Extrem-Wanderungen über eine Distanz von 100 Kilometern erfolgreich vermarktet, gibt es erst seit drei Jahren.

Und am Donnerstagmorgen, als die DJ-Bässe vom Vorabend längst verklungen waren, da merkten die Gäste erst so richtig, was für ein Unternehmer am Vorabend dort auf der Bühne stand: Der internationale Sportmarketing-Konzern Infront hat das Start-up übernommen. Dabei handelt es sich um die Gruppe, an der Günter Netzer einst beteiligt war, die lange Jahre auch die TV-Vermarktung der Fußball-Weltmeisterschaft in der Hand hatte und deren Präsident heute noch Phillippe Blatter ist, der Neffe des früheren Fifa-Präsidenten Sepp Blatter. Mit anderen Worten: Es kann kaum einen dickeren Fisch geben als der, der sich „Megamarsch“ jetzt in den Konzern geholt hat. Ein Start-up aus dem Westend, wie spätere Generationen eines Tages vermutlich ehrfurchtsvoll raunen werden, als würden sie über Bill Gates’ Garage sprechen. Ungefähr so sprach Kamischke auch: „Mein Impuls lautet: einfach gründen, einfach machen.“

Solche Geschichten braucht die Gladbacher Start-up-Szene, in der es viel Willen für große Taten gibt. Und die jetzt auch ein Zuhause hat, ein Ökosystem, wie alle an dem Projekt beteiligte es nennen. Die Hallen können ihre industrielle Vergangenheit nicht leugnen, schließlich sind sogar noch Reste von Kränen da, mit denen Schlafhorst dereinst gearbeitet hat. Der Charme ist industriell. „Hier gelingt es, ein Stück Gladbacher Industriegeschichte mit der Zukunft zu verbinden“, sagte Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners zur Eröffnung. Dies sei eine Chance für die Stadt. Sparkassen-Vorstand Hartmut Wnuck betonte, eine lebendige Gründerszene sei elementar für die Zukunft der Region. Wirtschaftsförderer Ulrich Schückhaus sagte, der Strukturwandel sei längst im Gange. „Wir müssen jetzt qualifizierte Arbeitsplätze ansiedeln“, sagte Schückhaus. „Für mich ist das Westend.MG ein Nukleus, aus dem Ideen entstehen können. Unsere Aufgabe ist jetzt, die Digitalisierung in die nächste Stufe zu übersetzen, sonst haben wir in vielen etablierten Unternehmen ein Problem.“ Im Publikum hörten eine ganze Reihe etablierte und erfolgreiche Unternehmer der Stadt zu. Mark Nierwetberg, Vorstand des Vereins Next.MG, formulierte seine Hoffnung: „Ich hoffe, dass die Magie und der Gründergeist in die Old Economy schwappt. Wir wissen nicht, wie es geht. Aber wir müssen es ausprobieren.“

In den kommenden Tagen werden Start-ups in die Container ziehen, weitere werden aufgestellt. Und der Code-Club des Gymnasiums am Geroweiher hat dort auch sein Zuhause. „Genau solche Leute brauchen wir in der Stadt“, sagte Nierwetberg.

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