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Millionen-Finanzierung für Aachener Start-up Taxy.io

Im September reiste eine Gruppe Start-ups aus NRW ins Silicon Valley, um dort von den Großen zu lernen und sich inspirieren zu lassen. Acht Monate später kann eines von ihnen deutsche Investoren präsentieren. Wie viel Anteil hat daran die Reise?   

Bevor Daniel Kirch seine Idee US-Investoren präsentierte, hat er die Unternehmensbewertung erstmal verdoppelt. Es ist die erste Lektion, die Kirch hier im Silicon Valley gelernt hat: Hier ist alles doppelt so teuer. Also muss man groß denken und mutig sein – immerhin will er für Taxy.io zwei Millionen Dollar Kapital einsammeln. „In Deutschland kämen wir mit dem gleichen Investment viel weiter.“

Zwölf Start-ups aus Nordrhein-Westfalen konnten sich Mitte September im Silicon Valley präsentieren, darunter auch das Start-up aus Aachen. NRW-International, das Firmen aus dem Bundesland bei der Internationalisierung hilft, hatte die Reise organisiert, bei der neben Besuchen bei großen Digitalfirmen wie Google oder Linkedin auch ein sogenanntes Pitch-Training sowie die Präsentation vor Investoren auf dem Programm stand. „Es war spannend, die kulturellen Unterschiede zu sehen, insbesondere bei der Eigendarstellung“, sagt Kirch rückblickend: Es wird offensiver verkauft und früher an den Markt gegangen, selbst wenn die Produkte technisch noch nicht fertig oder gar nicht so genial sind. Mit finanzkräftigen Investoren und entsprechender finanzieller Unterstützung bei der Markteinführung kann so oft doch ein Erfolg entstehen. Wir Deutschen neigen hingegen eher zur Perfektionierung – und dann ist die Marktnische gegebenenfalls schon besetzt.“

US-Kapital konnten Kirch und seine drei Partner für Taxy.io damals nicht einwerben,. Doch die Idee, mithilfe künstlicher Intelligenz die Arbeit von Steuerberatern zu vereinfachen und zu digitalisieren, überzeugte dafür nun deutsche Risikokapitalgeber, genauer gesagt den Seed-Fonds III Aachen und Mönchengladbach, der gemeinsam mit der NRW.Bank und einigen Business Angels in Taxy.io einen siebenstelligen Betrag in das Start-up investiert. Die NRW.Bank investierte dabei im Rahmen ihres Seed-Cap-Programms, bei dem sie die Beträge von Business Angels durch den eigenen Beitrag verdoppelt.

„Die Digitalisierung ist ein absolutes Trendthema und steht bei jedem Unternehmen ganz weit oben auf der Agenda – auch bei Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern“, sagt Markus Krückemeier, Geschäftsführer der Management-Gesellschaft des Seed Fonds Aachen und Mönchengladbach. „Taxy.io treibt die digitale Transformation in der Branche maßgeblich mit voran, indem es grundlegende Prozesse erheblich effizienter macht.“ Das Modell biete außerdem über eine Internationalisierung, eine Ausweitung auf andere Rechtsgebiete sowie eine Programmierschnittstelle zu anderen Softwaresystemen eine enorme Chance für einen breiten Einsatz im Markt.

Der Umzug in die USA, den sie bei Taxy.io nach den Silicon-Valley-Erfahrungen auch diskutiert haben, ist damit für die vier Gründer Daniel Kirch, Sven Peper, Steffen Kirchhoff und Sven Weber aktuell erstmal vom Tisch, soll aber laut den Gründern nach der Etablierung in der Region Deutschland, Österreich, Schweiz wieder ein Thema werden. Die in Palo Alto gesammelten Erfahrungen haben dem Team dennoch schon jetzt bei den aktuellen Gesprächen geholfen. „Wir konnten unseren Pitch mit dem Coaching deutlich weiter entwickeln und haben ein viel valideres Konzept, wie wir die Internationalisierung angehen“, sagt Kirch.

Und noch eine weitere Erkenntnis hat die Reise den Gründern gebracht: Zuhause ist es auch schön. „Wir haben in im Silicon Valley gemerkt, welche Vorteile ein Start in Deutschland hat: qualifiziertes Personal zu fairen Gehältern, insgesamt weniger Kapitalbedarf, ein zwar kleinerer Markt, aber damit potentiell auch weniger Wettbewerb, ein verfügbares professionelles Netzwerk, was wir uns in USA erst mühsam hätten aufbauen müssen – alles in allem ein schnellerer, günstigerer Start, der uns für die internationale Strategie ein stabiles Fundament ermöglicht.“

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