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Auxmoney-Gründer: „Die Börse würde mich reizen“

Das Düsseldorfer Start-up Auxmoney hat sich zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten der klassischen Banken entwickelt. Langfristig schließen die Gründer auch einen Börsengang nicht aus – doch erstmal steht eine andere wichtige Entscheidung an.

Der Erfolg des Kreditvermittlers Auxmoney basiert darauf, Daten möglichst intelligent zusammenzubringen. Insofern entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass gleichzeitig die eigenen Mitarbeiter immer weiter verstreut arbeiten müssen. Drei Standorte hat das Unternehmen inzwischen in Düsseldorf – der sichtbarste Beleg für das rasante Wachstum, das das junge Digitalunternehmen seit der Gründung 2007 durchlaufen hat.

Aus drei Gründern wurden inzwischen rund 250 Mitarbeiter, aus einer Idee mehr als 200.000 vermittelte Kredite mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Euro. Mitte Mai wurde diese Marke durchbrochen, mehr als Dreitausend Weitere sind seitdem dazu gekommen.

Dabei hatte alles ganz zufällig angefangen. 2006 waren die beiden Studienfreunde Philipp Kriependorf und Philip Kamp durch Frankfurt gefahren und hatten sich gefragt, warum es eigentlich Banken zur Vermittlung von Krediten brauche. Heute vermittelt der Düsseldorfer Online-Marktplatz Kredite an Privatpersonen, Selbstständige und seit April auch an Unternehmen.

„Wir entwickeln uns gemeinsam mit unseren Kunden weiter“, kommentierte Auxmoney-Chef Raffael Johnen damals den Schritt. Dass man mit dem eigenen Angebot dabei auch immer häufiger klassischen Banken in die Quere kommt, nehmen sie in Düsseldorf nicht nur in Kauf, sondern forcieren es sogar: „Wir werden sicherlich zukünftig noch stärker in das klassische Geschäft der Banken vordringen“, sagt Mitgründer Philipp Kriependorf. Das Portal „Finanz-Szene“ berechnete zuletzt, dass Auxmoney bei Konsumentenkrediten bereits einen Marktanteil von 0,5 Prozent habe.

Nachdem die Digitalisierung zunächst den Handel revolutioniert hatte, greifen immer mehr Start-ups, sogenannte Fintechs, auch die Geschäftsmodelle von Unternehme in stärker regulierten Sektoren wie der Finanzbranche an. Auxmoney ist in diesem Segment einer der Pioniere, auch wenn der Aufbau eines Fintechs speziell in Deutschland noch immer mit enormen Hürden verbunden ist. „Deutschland ist einer der am stärksten regulierten Finanzmärkte in Europa“, sagt Kriependorf: „In London hingegen gibt es beispielsweise sogenannte regulatorische Sandkästen für Start-ups, in denen man mit einer geringeren Regulierung experimentieren kann. So etwas könnte ich mir auch für Deutschland vorstellen.“

Denn speziell die Möglichkeiten bei der Arbeit mit Daten entscheiden letztlich häufig über Erfolg oder Misserfolg einer vielversprechenden Geschäftsidee. Auch bei Auxmoney setzt man nicht nur auf eine Abfrage der Bonität eines Kunden bei Auskunfteien wie der Schufa, sondern verknüpft geschickt verschiedene Informationen über die Nutzer, die auf der Internetseite Gelder anfragen. „Wir werten bei jeder Anfrage Hunderte von Merkmalen aus“, sagt Kriependorf: „Zum Beispiel zum Nutzungsverhalten oder den Endgeräten, die der Nutzer verwendet. Entscheidend ist jedoch, dass wir diese Datenpunkte intelligent miteinander kombinieren. Dadurch erhalten wir ein differenzierteres Bild des Kreditsuchenden.“

Er legt Wert auf die Feststellung, dass letztlich nicht ein einziges Merkmal über die Bonität eines Kunden entscheide, sondern die intelligente Kombination der Datenpunkte. So erzählte der Gründer des Fintechs Kreditech, Sebastian Diemer, zuletzt im „OMR-Podcast“, dass man bei der Kreditvergabe beispielsweise auch darauf geachtet habe, welche Schrifttypen der jeweilige Nutzer auf dem PC installiert habe, weil es bestimmte Schrifttypen gebe, die allein bei Poker- oder Casino-Software eingesetzt werden.

Auch bei Auxmoney analysieren sie viele verschiedene Daten, um den Nutzer besser kennenzulernen – zum Beispiel die Geschwindigkeit, mit der er auf eine Bestätigungsmail reagiert. „Eine Annahme war, dass diejenigen, die besonders schnell sind, vielleicht unter einem hohen finanziellen Druck stehen“, sagt Kriependorf: „Sie könnten, und das war unsere andere Hypothese, aber auch einfach nur sehr gewissenhaft in finanziellen Angelegenheiten sein.“ Erst durch Kombination mit anderen Daten erschließe sich, welche Hypothese im individuellen Fall zutreffend sei.

Mit diesem Modell will Auxmoney weiter wachsen, um vielleicht irgendwann auch ein Kandidat für einen Börsengang zu werden, was auch Investoren wie den weltweit bekannten Risikokapitalgeber Index Ventures erfreuen dürfte. Derzeit gebe es zwar keine konkreten Pläne, sagt Kriependorf, aber „die Börse würde mich persönlich total reizen.“

Noch setzt das Unternehmen daher stärker auf Wachstum als Profitabilität. 2016 fiel laut Bundesanzeiger ein Verlust von knapp neun Millionen Euro an, 2017 waren es trotz schwarzer Zahlen im zweiten Halbjahr immer noch rund 5,5 Millionen Euro. Auch 2018 gab es Verluste. Schwarze Zahlen seien angesichts der enormen Steigerung des Kreditvolumens von 74 Prozent im Vergleich zum Vorjahr allerdings auch nicht das Ziel gewesen, heißt es.

Es geht voran, lautet die Botschaft. Und in Kürze soll auch das Standort-Problem gelöst sein. Als man 2014 an die edle Düsseldorfer Königsallee gezogen ist, hofften die Auxmoney-Chefs, dass man hier räumlich zusammenhängend wachsen könnte. „Das hat bis 2017 auch geklappt“, sagt Mitgründer Kriependorf. Inzwischen wurden daraus die drei besagten Standorte. „Wir möchten gerne wieder alle Mitarbeiter unter einem Dach vereinen, deswegen suchen wir gerade nach einer Fläche ab 6000 Quadratmetern“, sagt Kriependorf.

Eine Entscheidung dürfte schon bald fallen, ein Mietvertrag endet im Mai 2020, bei den Räumlichkeiten in der Kö-Galerie muss Auxmoney sogar bis spätestens zum 15. Juni 2019 ein Sonderkündigungsrecht im Mietvertrag nutzen – andernfalls fallen noch bis 2024 jährlich Mietkosten in Höhe von knapp 230.000 Euro an.

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