NRW Vorgestellt

Schüler-Start-Up für nachhaltigere Welt

Benedikt Albertsen (links) und Jan Jürgens, die beiden Schüler aus dem Collegium Augustinianum Gaesdonck, mit ihrem Rucksack. Foto: Klaus-Dieter Stade (kds)/Stade, Klaus-Dieter (kds)

Goch-Gaesdonck: Zwei Oberstufen-Schüler des Collegium Augustinianum Gaesdonck haben ein kleines Unternehmen gegründet, mit dem sie die Menschen in Kambodscha unterstützen möchten. Hoffnung auf Wettbewerbsgewinn Freitag in Berlin.

Tausende Start-Up-Unternehmen werden jährlich in Deutschland gegründet. Doch dass Schüler ein Unternehmen ins Leben rufen, kommt nicht allzu oft vor. Erst recht nicht, wenn es um ein Start-Up geht, das auf die Kombination aus Nachhaltigkeit und Mode setzt.

„Wir haben uns schon länger für fair produzierte Kleidung interessiert“, sagt Jan Jürgens, Schüler des Collegium Augustinianum Gaesdonck aus Goch. Mit „wir“ meint er sich und seinen Mitschüler Benedikt Albertsen. Die beiden hatten die Idee, selber etwas herzustellen, das gleichzeitig modisch und nachhaltig ist. Konkretisiert wurde die Idee vor einem halben Jahr, als „wir uns vorgenommen haben, einen Prototyp für einen Rucksack zu entwickeln“, wie Albertsen sagt. Er hatte zuvor auf einem dreimonatigen Schüleraustausch 2018 in Australien den kambodschanischen Produzenten Koky Saly kennengelernt. „Koky habe ich dort in einem neu eröffneten Geschäft getroffen, wo er fair produzierte Taschen und Rucksäcke verkauft. Er unterstützt uns nun bei der Umsetzung unseres Vorhabens“, erzählt er.

Die Rucksäcke mit dem einprägsamen Namen „The Huckepack“ werden nämlich in Kambodscha produziert. Wie unterscheiden sie sich also beispielsweise von Klamotten, die zu teils menschenunwürdigen Bedingungen in Südostasien hergestellt werden? „Die an der Produktion der Rucksäcke arbeitenden Menschen werden fair bezahlt“, sagt Jürgens: „Außerdem fließen Erlöse in die ,Baby Tree Projects’.“ Diese Non-Profit-Organisation unterstützt Schulen in Kambodscha und ermöglicht vielen Kindern dort den Zugang zu besserer Bildung. „Mit jedem gekauften Rucksack tut man also etwas Gutes“, so Jürgens, der ebenso wie Albertsen die Q1 des Gymnasiums besucht. Ihr Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen zeigt auch der Besuch der „Advanced Class Economics“ der Gaesdonck. Für die Umsetzung ihrer Idee war darüber hinaus auch viel außerschulisches Engagement erforderlich. „Wir haben zwischen Februar und April an mehreren Wochenenden selber einen Prototyp des ,Huckepack’ genäht“, erzählt Albertsen: „Da wir beide aber keine Vorkenntnisse hatten, mussten wir uns hier Unterstützung suchen.“ Diese lieferten seine kleine Schwester Viktoria und eine Freundin, Emma Herman.

Nach der Fertigstellung des Prototyps schickten sie diesen nach Kambodscha und bestellten dort den ersten wirklichen „Huckepack“. Dieser besteht ausschließlich aus Resten der dortigen Textilproduktion, es ist also jedes Modell individuell. Das erste besteht aus blauem Cord mit einem grauen Verschluss in der Mitte. Der „Huckepack“ ist kompakt, bietet aber genug Platz für Bücher und Blöcke, die Schüler dort unterbringen möchten. „Eine größere Anzahl an Rucksäcken wollen wir im Sommer in Auftrag geben“, sagt Jürgens. Mit ihrem Konzept schafften es die beiden bis ins Finale der Start-Up-Teens-Challenge. Nach einer Online-Abstimmung auf der Website (www.startupteens.de) gehört der „Huckepack“ in der Kategorie „Social“ zu den drei Finalisten, die Jungs haben die Chance, 10.000 Euro zu gewinnen.

Am morgigen Freitag, 28. Juni, kommt es im Axel-Springer-Haus in Berlin zum Finale, wo Jürgens und Albertsen der Jury ihr Projekt vorstellen werden. Doch auch für den Fall, dass sie dort nicht den ersten Platz belegen sollten: Mit ihrer Initiative haben die beiden schon viel erreicht. „Wir möchten damit etwas bewegen und andere Menschen inspirieren“, sagt Albertsen. Jürgens fügt hinzu: „Wir haben eben nur eine Erde, die vielleicht noch gerettet werden kann. Eine zweite gibt es nämlich nicht.“

info „The Huckepack“: Wo es Informationen gibt

Homepage Auf der Instagram-Seite „thehuckepack“ und auf der Homepage www.thehuckepack.de.

Video Auf Instagram gibt es das Video, mit dem die Schüler sich  beworben haben.

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