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Marmeladen-Hersteller Zentis will in Start-ups investieren

Das Familienunternehmen plant einen eigenen Inkubator auf dem heimischen Campus in Aachen. In den kommenden Jahren soll außerdem auch stärker in Start-ups in der Früh- und Wachstumsphase investiert werden.

Bislang basierte das Geschäftsmodell des Aachener Unternehmens Zentis auf einer relativ einfachen Formel: Hauptsache süß. Aus dem 1893 gegründeten Kolonialwaren- und Lebensmittelladen wurde dadurch eine der bekanntesten Lebensmittel-Marken Deutschlands. Mit Marmeladen, Konfitüren, dem Nutella-Klon Nusspli und Marzipan-Pralinen machte das Familienunternehmen mit weltweit 2100 Mitarbeitern im vergangenen Jahr rund 664 Millionen Euro Umsatz.

Doch wird sich diese Erfolgsgeschichte so fortschreiben lassen in einer Zukunft, in der Zucker von einigen bereits ähnlich kritisch gesehen wird wie Zigaretten und im ganzen Land über Lebensmittel-Ampeln diskutiert wird?

Auch bei Zentis scheinen sie zu ahnen, dass es nicht schaden kann, neben Marmeladen mit 50 Prozent weniger Zucker noch ein paar andere Asse im Ärmel zu haben – und dass dabei vielleicht auch Impulse von außen nötig sein könnten. Zum 1. Juli 2019 wurde deshalb die Zentis Ventures GmbH gegründet, die von den beiden Geschäftsführern Karl-Heinz Johnen und Norbert Weichele sowie dem Leiter Business Development Stefan Beitzel geleitet wird. Ziel ist nach Unternehmensangaben die Förderung innovativer Ideen aus der Lebensmittel-Branche. „Wir möchten Zentis Ventures als einen der führenden Venture Investor in der deutschen, mittelständischen Food-Industrie etablieren“, so Stefan Beitzel.

Zentis hatte bereits 2018 in Elosun investiert, das aus einem Fraunhofer-Institut heraus entstanden war. Das Münchner Start-up ist auf die Herstellung von Sonnenblumenproteinen spezialisiert.

Künftig will man sich auf junge Unternehmen in der Früh- und Wachstumsphase konzentrieren. „Unser Fokus liegt primär auf Frühphasen-Investments. Das heißt, wir steigen vor allem in der Seed-Phase und Series A-Phase ein“, sagt Stefan Beitzel: „Situativ sind aber auch Investitionen zu einem späteren Entwicklungspunkt vorstellbar.“ Zu Beginn strebe das Unternehmen zunächst eine Minderheitsbeteiligung an. Im weiteren Verlauf, so Beitzel, sei aber auch eine Ausweitung des Engagements denkbar. Wie viel Geld für die Finanzierung von Start-ups insgesamt zur Verfügung steht, will der Leiter von Zentis Ventures nicht sagen, je Unternehmen ergeben sich aber in der Regel angesichts der strategischen Ausrichtung von Zentis Investitionen im sechs- bis siebenstelligen Bereich.

Der Fokus von Zentis Ventures liegt zunächst auf den Märkten Deutschland, Österreich und der Schweiz. Langfristig will Zentis sich dabei jedoch noch internationaler ausrichten. Helfen soll dabei auch ein Inkubator, den Zentis auf dem Firmengelände in Aachen ansiedeln will. Nach Unternehmensangaben soll die Bewerbungsphase Ende des Jahres oder spätestens Anfang 2020 beginnen. Das Kooperationsprogramm solle anschließend zeitnah, wie es heißt, beginnen.

Wie viel Geld für Investitionen in Start-ups zur Verfügung steht, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage blieb bis jetzt unbeantwortet.

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