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Trivago macht erneut Gewinn – doch der Preis ist hoch

Die Düsseldorfer Hotel-Suchmaschine Trivago galt trotz hoher Verluste viele Jahre als eines der Aushängeschilder der deutschen Digitalszene. Doch dann brach der Aktienkurs ein. Das Management änderte den Kurs – und fährt nun erste Erfolge ein.

Zum Jahreswechsel hat sich das „Manager Magazin“ mit Trivago beschäftigt und ein vernichtendes Urteil über die Hotel-Suchmaschine und ihren Chef Rolf Schrömgens gefällt: Das Geschäftsmodell zerbrösele und „dem Gründer fällt nichts mehr ein“.

In der Tat hat das Düsseldorfer Unternehmen große Schwierigkeiten, die Konkurrenz durch Plattformen wie Booking.com und inzwischen auch Google setzt ihm zu, die Aktie stürzte seit 2017 an der US-Börse Nasdaq von umgerechnet mal mehr als 20 Euro auf aktuell rund 4,40 Euro ab.

Wie passen dazu also Nachrichten wie diese: Man habe zum vierten Mal in Folge die Profitabilität im Vergleich zum Vorjahresquartal gesteigert, gab das Unternehmen in dieser Woche bekannt. Im zweiten Quartal 2019 gab es unter dem Strich einen Gewinn von 5,9 Millionen Euro – vor einem Jahr machte man im gleichen Zeitraum noch mehr als 20 Millionen Euro Verlust. „Wir freuen uns auf ein starkes zweites Halbjahr“, blickt Finanzvorstand Axel Hefer optimistisch in die Zukunft.

Ist also alles wieder gut im Düsseldorfer Medienhafen?

Wer darauf eine Antwort will, muss nur einen Blick auf die Firmenzentrale werfen, die das Unternehmen hier im Oktober offiziell eröffnet hat. Es ist ein beeindruckendes Gebäude mit Laufstrecke auf dem Dach und Fitnesscenter, in dem man auch schon mal Top-Kräften wie Finanzvorstand Hefer durch die Scheibe beim Sport zuschauen kann.

Aber es ist eben auch ein Gebäude, das auf Wachstum ausgelegt war. Hier könnten, hat man den Eindruck, mehr Leute arbeiten als dies aktuell tun. Doch stattdessen schrumpft das Unternehmen sich fit. Jahrelang hat Trivago den Umsatz durch hohe Marketingausgaben befeuert – mit Fernsehspots oder Google-Anzeigen. Das brachte Besucher auf die Seite, mehr Umsatz, aber auch hohe Verluste.

Inzwischen hat das Management um Schrömgens und Hefer den Kurs gewechselt – die Werbung wurde heruntergefahren, dadurch stieg die Profitabilität. Doch dafür zahlt Trivago momentan einen hohen Preis. Die Zahl der täglichen Besucher sank im ersten Halbjahr um fast 30 Prozent. Statt rund 366 Millionen Besuchern verzeichnete man täglich nur noch 260 Millionen. Der Umsatz ging im gleichen Zeitraum um 13 Prozent zurück, von 494,4 Millionen Euro auf 432,2 Millionen Euro. Am geringsten fiel der Umsatzrückgang in Europa aus (minus sieben Prozent), während man in Amerika beispielsweise rund 16 Prozent verlor.

Positiv formuliert, ist Trivago effektiver geworden, weil man pro Besucher mehr Umsatz macht und sich jeder eingesetzte Euro Werbegeld mehr rentiert. Auch dadurch konnte man einen Verlust von 42,5 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2018 in einen Gewinn von 13,7 Millionen Euro im gleichen Zeitraum 2019 verwandeln.

Doch Trivagos größtes Problem bleibt die Abhängigkeit vom Marketing, das zeigt ein Blick in den Geschäftsbericht: Unglaubliche 97 Prozent des Umsatzes gab man im zweiten Quartal 2018 für Werbung aus. Zwischen April und Juni waren es diesmal hingegen „nur“ 81 Prozent des Umsatzes.

Im nächsten Halbjahr will Rolf Schrömgens das Unternehmen weiter nach vorne bringen – und setzt im Kampf gegen Google und Co. auch auf neues Personal: Seit dem 9. Juli kümmert sich James Carter als Chief Product and Technology Officer um die Hotelsuche bei Trivago. Man kann das als Seitenwechsel bezeichnen. Carter war vorher bei Google.

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