Düsseldorf NRW

Die Taschen-Queen

In Düsseldorf hat Melanie Siebenhaar Taschen designt, deren Innenleben austauschbar ist, so dass aus einer Business- eine Sportvariante oder eine Tasche für den Wochenendausflug wird. Dafür hat sie mit der Hochschule Mönchengladbach zusammengearbeitet.

Ein eigenes Atelier oder einen Showroom hat Melanie Siebenhaar noch nicht. Im Augenblick arbeitet sie zu Hause, in der Küche, im Büro, am Esstisch. An einer Türklinke hängen Papiermuster, auf dem Tisch liegen Flyer und Prospekte. Ihre Ideen hält sie in einem kleinen Skizzen-Buch fest, wenn sie Modelle zeigen will, holt sie sie aus dem Nebenzimmer, verteilt sie auf dem Boden im Flur, führt sie vor.

Melanie Siebenhaar hat ein Start-up gegründet. Mit selbst designten Taschen will sie in der Mode-Branche durchstarten, für die sie ihr halbes Leben lang schon gearbeitet hat, unter anderem bei P&C und TK Maxx. Viel ist sie gereist nach ihrem Studium – heute London, morgen Kopenhagen, übermorgen Amsterdam. Irgendwann zog sie nach Berlin, sollte Schnittstelle zwischen Vertrieb und Design werden, bei der damals jungen und aufstrebenden Taschenfirma Liebeskind. Sie dachte in dieser Zeit immer mal wieder daran, sich selbst zu verwirklichen, in Berlin tun das doch so viele. Glücklich war sie nicht beim Label, „es passte nicht“, sagt die 38-Jährige, die entschied: „Jetzt oder nie.“

Von ihrer Erfahrung wollte sie profitieren, ihre Kontakte nutzen. Drei Optionen hatte sie: einen Laden eröffnen, eine Mode-Agentur oder aber selbst Taschen zu entwerfen. Siebenhaar entschied sich für die Taschen und suchte nach einer Nische. Business-Taschen für Frauen, die stylisch sind und funktionell. Das war ihr Plan. Coole Sporttaschen und schicke Wickeltaschen hatte sie im Kopf, als sie die ersten Schritte in die Selbstständigkeit wagte.

Und wie das immer so ist im Leben, kam es ein bisschen anders. Heute produziert Melanie Siebenhaar Männertaschen, „die aber unisex sind“, sagt die 38-Jährige, die auch an eine Nutzung als Windeltasche denkt. Mit der Hochschule in Mönchengladbach hat Siebenhaar zusammengearbeitet – eine Studentin schrieb ihre Bachelorarbeit über das Konzept, das sich Siebenhaar hat patentieren lassen. Weil die 38-Jährige die erste ist, die Taschen mit einem austauschbaren Innenfutter erfunden hat. Unterteilt ist das Business-Modell mit Fächern für das Smartphone und den Laptop, es hat Halterungen für den Kuli und den Schlüssel. Die Fitness-Variante hat sie ausgestattet mit einem Extra-Fach für Schuhe, waschbar soll es sein, zudem können die Einsätze auch separat genutzt werden. In zwei Größen und vier Farben gibt es Siebenhaars Taschen, für die sie eigentlich einen nicht so hohen Preis ansetzen wollte – zwischen 750 und 1000 Euro kosten die Taschen im Moment.

Schwer ist es aber gewesen für die 38-Jährige, eine Produktionsstätte zu finden. In Mailand ist sie schließlich gelandet, dort sind die ersten Modelle entstanden, bei einem Luxuslieferanten. Angebote aus Asien hat es zwar gegeben, „aber die Bedingungen dort gefielen mir nicht“, sagt die 38-Jährige. Ein Start-up gründet sich eben nicht von heut auf morgen, „in der Findungsphase bin ich noch immer“.

Für ihre Selbstständigkeit ist Melanie Siebenhaar extra nach Düsseldorf zurückgekommen, viel Unterstützung hat sie hier bekommen, von der IHK, bei der Start-up-Woche. Gerne würde Siebenhaar einen Start-up-Stammtisch gründen – manchmal fehlt ihr der Austausch mit anderen. Deswegen sucht sie auch ein Atelier, in dem sie arbeiten, das sie vielleicht teilen kann mit einem anderen Künstler oder Designer. Zu selten hat die 38-Jährige in den letzten Monaten Feedback bekommen, das aber treibt sie an, es motiviert sie.

Eine lange Durststrecke liegt hinter der Oberkasselerin, die sich ihren Traum bis jetzt vom Ersparten finanziert hat. Rücklagen hatte sie nach zehn Berufsjahren, ein bisschen Geld war noch übrig von ihren Model-Jobs während der Uni – fast 1,80 Meter misst die Halb-Taiwanesin, die Haare sind lang und dunkel. Auch heute steht sie noch ab und an vor der Kamera, dann für ihre eigene Kollektion, Melanie Siebenhaar ist eben durch und durch eine Mode-Experten, die die Branche aus allen Perspektiven kennt. Sie glaubt an ihr Projekt, weil ihr die Arbeit Spaß macht, „auch wenn ein bisschen die Sicherheit fehlt“, sagt sie.

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