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Warum Eltern jetzt Spielzeug bei Real mieten können

Für Eltern öffnen sich ganz neue Modelle bei der Beschaffung von Spielzeug: Immer mehr Händler bieten Spielwaren sowie Baby- und Kinderequipment zur Miete an.

Wer selbst Kinder oder Freunde mit Kindern hat, der kennt es nicht anders: Im Kinderzimmer stapeln sich die Kisten mit Bauklötzen, der Puppenwagen steht verlassen in der Ecke und der Kaufmannsladen mit seiner mehr als üppigen Warenpalette setzt schon Staub an. Schnell werden den Jüngsten Spielsachen langweilig, schnell muss etwas Neues her – und das kostet. Eine vermeintlich nachhaltige Alternative ist das Mieten von Kinderspielzeug. Eine Handvoll Startup-Unternehmen aus Deutschland versuchen sich seit wenigen Jahren an dieser Idee, und immer mehr Großunternehmen wie etwa Tchibo springen auf den Zug auf. Nun kann man auch bei Real Kinderspielzeug mieten.

Das Angebot richtet sich laut des Unternehmens an „Familien mit Kindern, die diesen eine große Abwechslung mit den besten und neusten Spielzeugen bieten wollen, ohne dabei immer wieder auf den Preis schauen zu müssen“. Es gibt verschiedene Abo-Varianten mit verschiedenen Laufzeiten. Mit dem Flex-Paket kann man ein Spielzeug ausleihen und zahlt monatlich ab 4,99 Euro – je nachdem, welches Spielzeug es sein soll. Das teuerste Paket nennt sich Premium und enthält drei Spielzeuge, wobei eines aus dem Premium-Bereich enthalten ist. Bei einer Abo-Laufzeit von zwölf Monaten zahlt man 26,99 Euro im Monat und kann das Spielzeug jederzeit gegen anderes austauschen, wenn das Kind das Interesse verliert. Doch rechnet sich das überhaupt?

Leiht man sich etwa das Haba-Spiel „Kling Klang Wald“ (Kaufpreis 17,99 Euro), das Buch „Komm wir kaufen ein“ von Ravensburger (Kaufpreis 9,99 Euro) und den Premium-Brio Holzpuppenwagen (Kaufpreis 33 Euro), zahlt man pro Monat nur 26,99 Euro. Hätte man das alles gekauft, hätte man tiefer in die Tasche greifen müssen und 60,98 Euro bezahlt. Bei Nicht-gefallen leiht man einen Monat später etwas anderes aus. Doch schaut man sich die Jahresrechnung von Real an, kommt man nicht mehr ganz so günstig davon: 323,88 Euro kostet der Leihspaß, bei dem man zwar beliebig oft das Spielzeug tauschen kann und solches, das die Kinder behalten wollen, auch zu einem günstigeren Preis kaufen kann. Doch am Ende des Jahres sind möglicherweise alle Spielzeuge und die knapp 324 Euro weg.

Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW ist deshalb skeptisch. Gerade bei Premium-Produkten, deren Kaufpreis wie beim Brio Puppenwagen relativ niedrig sind, rechneten sich die Modelle nicht, sagt er. „Da entsteht dann schnell ein Missverhältnis zwischen Kauf- und Mietpreis.“ Zudem orientierten sich die Kaufpreise, sollte man das geliehene Spielzeug behalten wollen, an den unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller – „und das sind Mondpreise“, sagt Tryba. „Viele Spielzeuge findet man woanders günstiger, wenn man Preise vergleicht. In der Regel machen die Händler ihre eigenen Preise und halten sich nicht an die unverbindlichen Preisempfehlungen.“ Die Spielsachen werden laut Real nach jeder Rücksendung gereinigt und seien danach wie neu. „Unsere Wiederaufbereitung und Qualitätskontrolle bereitet die Spielzeuge mit nachhaltigen, schonenden Desinfektions- und Reinigungsmitteln wieder auf. Darüber hinaus werden alle Spielzeuge vor dem Versand auf die Einhaltung von Sicherheitsstandards geprüft und fehlerhafte oder sichtbar benutzte Spielzeuge werden aussortiert.“ Nichtsdestotrotz sei es keine Neuware, sagt Tryba. „Wir befinden uns hier im Flohmarktbereich, dann kann man die Preise auch mit Flohmarktpreisen vergleichen und kommt dort vielleicht günstiger davon.“

Zudem bemängelt Tryba das von real,- beworbene Rundum-Sorglos-Paket. Das beinhaltet, dass dem Kunden bei Verlust oder Beschädigung keine Mehrkosten entstehen – mit Ausnahme von mutwilligen Beschädigungen oder unsachgemäßer Nutzung. „Wir sprechen hier von Kindern, die das Spielzeug nutzen. Die stecken dann gerne mal in der Trotzphase und die lesen auch keine Gebrauchsanweisung sondern probieren herum“, sagt er. Daher könne man auf keinen Fall von einem Rundum-Sorglos-Paket sprechen.

Trotz aller Kritik ist das Angebot von real,- nachhaltig, denn kein Spielzeug verstaubt in irgendeiner Ecke, weil es nicht mehr genutzt wird. Dennoch sollte man sich die Abos gut ansehen und sich einiger Fallstricke bewusst sein, so die Verbraucherzentrale. Real jedenfalls prognostiziert ein Erfolgskonzept. Das Unternehmen arbeitet mit dem Startup Circus Internet GmbH (www.meinespielzeugkiste.de) zusammen, die jährlich bereits rund 300.000 Spielzeuge innerhalb Deutschlands und Österreichs versenden. „Real.de erreicht monatlich Besucher im zweistelligen Millionenbereich und damit auch viele Eltern in Deutschland“, heißt es von Seiten des Unternehmens. „Wir bauen das Sortiment auf www.real.de/mieten schrittweise auf und sehen das Potential, schon im ersten Jahr bereits bis zu zehn Mal so viele Spielzeuge zu verschicken.“ Und auch hier gibt es einen Fallstrick: Wer bei real,- bestellt, wird von Circus Internet GmbH beliefert – die Bestellung bei www.meinespielzeugkiste.de wäre jedoch günstiger. Das mit dem Premium-Paket vergleichbare Mega-Paket kostet dort bei gleicher Laufzeit nur 19,99 Euro. „Dies soll kein Boykott sein, doch man sollte sich von dem vermeintlich tollen Mietangebot nicht blenden lassen und genau hinsehen“, rät Tryba.

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