NRW Solingen

Wie der Instana-Gründer Solingen zur Start-up-Stadt machen will

Mehr als 50 Millionen Dollar hat Mirko Novakovic von Investoren für sein Start-up eingesammelt. Nun will er mit der „Neue Schmiede“ im Bergischen Land ein Gründerzentrum errichten – und scheut dabei keine Mühen.

Von Fred Lothar Melchior

Ohligs Gute Nachrichten für Ohligs: Der erfolgreiche Software-Entwickler Instana zieht in ein repräsentatives Gebäude der ehemaligen Konsumgenossenschaft Solidarität an der Prinzenstraße. Es diente zuletzt als Silag-Lager. Instana-Chef Mirko Novakovic hat die Immobilie im Februar von der Nivag Handelsgesellschaft in Langenfeld erworben und lässt das Haus jetzt Schritt für Schritt umbauen.

„Innen werden wir definitiv in diesem Sommer anfangen“, sagt der 42-Jährige. „Die ersten Handwerker sind schon da.“ Im nächsten Jahr sollen die Software-Entwickler einziehen. Aber nicht nur sie: Das Gebäude an der Prinzenstraße ist vom Volumen her zweimal so groß wie die Firmenzentrale von codecentric an der Hochstraße. An ihr war Mitgründer Novakovic ebenfalls maßgeblich beteiligt.

Auf den rund 5000 Quadratmetern Nutzfläche an der Prinzenstraße will der gebürtige Solinger seinen Traum „Neue Schmiede“ (New Forge) verwirklichen: Das Gebäude soll in einem „Coworking Space“ Platz für Start-up-Firmen bieten, die Novakovic auch durch einen Investment-Fonds unterstützen will. Außerdem soll es ein Restaurant mit Veranstaltungsmöglichkeiten und ein Café mit Terrasse geben.

Damit will der Instana-Geschäftsführer auch das passende Ambiente für seine eigenen Mitarbeiter schaffen – möglicherweise ergänzt um Anbieter aus dem Gesundheits- und Fitness-Bereich und ein Angebot der Kinderbetreuung. Mit bis zu 100 Instana-Beschäftigten rechnet der studierte Informatiker Novakovic am neuen Standort. Zurzeit sind es in Solingen etwa 40, die in gemieteten Räumen bei Ebbtron an der Dunkelnberger Straße arbeiten. Für Instana sind momentan weltweit zirka 170 Software-Spezialisten tätig. Novakovic: „Wir wollen das im nächsten Jahr verdoppeln“ – auch den Anteil der in Ohligs wirkenden Entwickler.

Noch ist nicht alles in trockenen Tüchern. Anders als das Vordergebäude, das von der IT-Consulting-Firma Dittrich & Partner genutzt wird, steht der große Trakt dahinter nicht unter Denkmalschutz. „Es sieht aber so aus, als würde es sich in diese Richtung bewegen“, vermutet Mirko Novakovic. Er braucht zudem Genehmigungen der Stadt für Restaurant und Café. „Interessenten, die sie betreiben wollen, gibt es bereits.“

Ursprünglich sollte die „Neue Schmiede“ in codecentric-Nähe an der Sauerbreystraße entstehen. Wegen hoher Baukosten nahmen der Instana-Chef und drei Partner aber Abstand. Die nächste Überlegung war ein Umzug nach Haus Hackhausen, der dann aber doch nicht zustande kam. An der Prinzenstraße scheint jetzt alles zu passen, obwohl auch dort „mehrere Millionen“ investiert werden müssen.

Das eindrucksvolle Gebäude wurde ab 1913 errichtet. 1921 verschmolz die „Solidarität“ mit der Konsumgenossenschaft Hoffnung; in der Nazizeit folgte die Auflösung. Nächster Besitzer und Nutzer war der Saatgutzüchter und -händler Max Frey (Flora Frey). Nach dem Krieg gründete sich die Genossenschaft neu und nahm auch wieder eine Bäckerei in Betrieb.

„Ich bin heilfroh, dass Mirko Novakovic mit der Firma Instana in Solingen bleibt“, sagt der Ohligser Bezirksbürgermeister Marc Westkämper. „Wenn das sehr schöne Gebäude eine neue Nutzung erhält, ist das ein Gewinn für Ohligs. Wenn Unterstützung aus der Politik nötig ist, werden wir die gerne geben.“

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