Düsseldorf NRW Vorgestellt

Start-up will den Weltmarkt erobern

Düsseldorf: Wissenschaftler haben ein Verfahren entwickelt, um Peptide umweltfreundlich und kostengünstig herzustellen – und Numaferm gegründet.

Sie sind Alleskönner, werden überall gebraucht – in Arzneimitteln, Kosmetik, Waschpulver, Düngemitteln: Peptide. Diesen Molekülen (das bekannteste Peptid ist Insulin, das den Blutzucker reguliert) werden einzigartige Eigenschaften nachgesagt, deshalb sind sie ein begehrter Stoff nicht nur der Pharmaindustrie. Der Nachteil: Ihre Herstellung ist teuer. Vor diesem Hintergrund sorgte eine Erfindung aus Düsseldorf für Aufsehen in der Fachwelt und bescherte dem jungen Unternehmen Numaferm einen sensationellen Start.

Als Wirkstoff in Arzneimitteln gelten Peptide als unverzichtbar, sie werden als Mittel gegen Krebs ebenso eingesetzt wie gegen Entzündungen und Diabetes. Darüber hinaus sind ihre Anwendungsmöglichkeiten nahezu unbegrenzt: In beschichteten Textilien schließen sie die feinen Mikroporen, dadurch wird Wetterkleidung regendichter und windundurchlässiger. Und wenn textiles Gewebe weniger durchlässig ist, würde es – beispielsweise für Arztkittel verwendet – die Infektionsgefahr verringern.

Durch Peptide sind Klebstoffe auch auf schwierigen Oberflächen wirksam, selbst unter Wasser. ­Interessant sind sie auch für die Agrarwirtschaft. „Stellen Sie sich vor, ein Flugzeug versprüht Pflanzenschutzmittel, dann regnet es – und alles wird abgewaschen, landet im Boden und verunreinigt das Grundwasser“, erläutert der Biochemiker Christian Schwarz, Geschäftsführer und einer der Numaferm-Gründer. Biologisch hergestellte Peptide aber blieben an der Pflanze kleben, auch wenn es nass wird. „Und selbst wenn sie abgewaschen würden, wären sie nicht schädlich.“

Die Industrie stellt Peptide durch chemische Syntheseverfahren her. Ein aufwendiger Prozess, denn für die Produktion von einem Kilo werden 25 Tonnen Roh- und Hilfsstoffe benötigt. Kosten: rund eine Million Euro. Durch das biotechnologische Verfahren, das die Düsseldorfer Wissenschaftler entwickelt haben, lassen sich Peptide in großen Mengen herstellen, umweltverträglich und „zu einem Bruchteil des bisher üblichen Preises“, so Schwarz. Dafür werden gängige Mikroorganismen genutzt, heißt: Peptide werden von Numaferm in einer Art Bioreaktor gewonnen. Die Gründer (zu den Geschäftsführern gehört auch der Wirtschaftsinformatiker Philipp Bürling) haben Jahre an ihrem Geschäftskonzept getüftelt, ihre Technologie verfeinert, mit Unterstützung der Uni mehrere Patente angemeldet, erste Investoren gefunden. Und wurden schon bald nach dem Start Anfang 2017 mit Preisen ausgezeichnet. So wählte die Wirtschaftszeitschrift „Bilanz“ die Numaferm GmbH unter 300 Unternehmen zum besten Start-up 2018. In der Begründung hieß es, dass durch die Erfindung die Produktion hunderter Medikamente – darunter auch neue Antibiotika – beschleunigt werden kann.

Im Dezember wurde das Start-up dann mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis (Kategorie Change) ausgezeichnet. Die Jury urteilte: Da sich durch das Verfahren von Numaferm Herstellungskosten drastisch reduzieren ließen, würde der weltweite Zugang zu günstigen Medikamenten ermöglicht. Außerdem könnten giftige Abfälle, die bei der chemischen Herstellung von Peptiden anfallen, deutlich reduziert werden. Solche Auszeichnungen bedeuteten starken Aufwind für die Gründer. Ihr wachsender Kundenstamm sowieso. Langfristig hat sich das Unternehmen ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: die chemische Produktion von Peptiden „weitestgehend zu vermeiden“. Kurzfristig aber wollen die Macher erst mal expandieren – und den amerikanischen Markt mit ihrer Erfindung made in Düsseldorf erobern.

Info Das Biotech-Start-up aus Düsseldorf

Gründung Das Biotechnologie-Start-up wurde nach langer Vorbereitung Anfang 2017 von Wissenschaftlern der Universität gegründet.

Geschäftsmodell Das Start-up will ein Bioverfahren entwickeln, um kostengünstige Peptide zu produzieren. Die Kosten sollten im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren um 90 Prozent sinken.

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