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ProSieben steigt bei Aachener Übergrößen-Start-up ein

Mit seinem Online-Shop für Damenmode ab Größe 42 hat Navabi schon namhafte Investoren wie Index Ventures überzeugt. Nun steigt der Fernsehkonzern ein – und weckt damit Erinnerungen an eine andere Erfolgsgeschichte aus der Modebranche.

Aachen Bahman Nedaei und Zahir Dehnadi haben einen Traum. Die beiden Gründer aus Aachen wollen ihr Start-up Navabi zur weltweit ersten Anlaufstelle für Übergrößen-Damenmode machen – und setzen dabei nun auch auf die Hilfe des ProSiebenSat.1.

Seven Ventures, eine Tochter des Fernsehkonzerns investiert in das Start-up. Kürzlich gab der Konzern bekannt, einen zweistelligen Millionenbetrag in Form eines Mediainvestments bereitzustellen. Bei dieser Art von Beteiligung bekommen Start-ups Werbezeit und geben als Gegenleistung Anteile an ihrem Unternehmen ab. Dieses Modell hat in der Vergangenheit auch dem Online-Händler Zalando schon zum Erfolg verholfen – und so dürfte man bei Navabi hoffen, dass sich Geschichte wiederholt.    

Das Unternehmen wurde 2008 in Aachen gegründet und bietet seitdem über seinen Online-Shop Damenmode ab Größe 42 an. Neben rund 150 Marken hat der Onlinehändler inzwischen auch Eigenmarken in sein Angebot aufgenommen. Diese machen nach Unternehmensangaben rund ein Drittel des Umsatzes aus. Navabi ist inzwischen in mehr als 30 Ländern verfügbar.

Die Gründer besetzen mit ihrem Konzept eine Nische, konnten aber in der Vergangenheit schon von anderen Risikokapitalgebern mindestens 55 Millionen Euro einwerben: So sind neben Seven Ventures auch Index Ventures und der skandinavische Risikokapitalgeber Verdane Capital am Unternehmen beteiligt. Verdane war erst im vergangenen Jahr im Rahmen einer Finanzierungsrunde eingestiegen und hatte alle Anteile von Bauer Venture Partners übernommen, die erst 2015 eingestiegen waren.

Wie viel Geld Navabi insgesamt einsammeln konnte, ist offiziell nicht bekannt, weil die Höhe der letzten beiden Finanzierungsrunden nicht mehr bekannt gegeben wurde. Während vorher die Rede von zehn (2013) bzw. 25 Millionen (2015) war, wurde zuletzt nur noch von einem zweistelligen Millionenbetrag gesprochen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Finanzierungsrunden kleiner ausgefallen sind als zuvor. Navabi will dies nicht kommentieren.

2017 wuchs das Unternehmen laut Bundesanzeiger um 29 Prozent, aktuellere Zahlen wurden noch nicht veröffentlicht. Ursprünglich hatte man sich für das Geschäftsjahr 2018  ein Wachstum von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr vorgenommen. In dem im April veröffentlichten Bericht heißt es nun allerdings nur noch etwas schwammig, dass man 2018 beim Wachstum „signifikant über den 11,4 Prozent des gesamten Online-Handels“ liege. Auch auf Anfrage möchte Navabi keine genaueren Zahlen preisgeben, man habe jedoch im vergangenen Jahr viele Erfolge gehabt.

Unklar ist auch, ob das Unternehmen inzwischen schwarze Zahlen schreibt. Zumindest im Geschäftsjahr 2017 fiel noch ein Verlust an, der jedoch im Vergleich zu den Vorjahren deutlich verringert werden konnte. Lag dieser 2015 noch bei rund 4,9 Millionen, waren es 2016 noch rund 2,5 Millionen Euro. Für 2017 meldet Navabi nur noch ein Minus von rund 1,7 Millionen Euro.

Bei Navabi sind sie jedenfalls zuversichtlich, mit dem Prosieben-Deal einen Schlüssel gefunden zu haben, um das Wachstum deutlich zu beschleunigen. „Mit dem Deal schaffen wir eine gewaltige TV-Präsenz und können unsere Markenbekanntheit massiv ausbauen“, sagt Bahman Nedaei. Und dafür warf man offenbar auch frühere Pläne über Bord. Denn ursprünglich war man bei Navabi mal davon ausgegangen, dass die Finanzierungsrunde im vergangenen Jahr vorerst die letzte sein würde. „Wenn man den perfekten Partner trifft, entwickeln sich die Dinge oft schneller als zunächst angenommen“, heißt es bei Navabi. Manchmal ändern sich Pläne dann sogar schneller als Modetrends.

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